Am 20.03.2023 organisierten die „Avocats de la Paix“ (Friedensanwälte) eine sofort ausgebuchte Veranstaltung beim französischen Parlament.

 

Ihr Thema: Familienrecht: Von einer Streitkultur zu einer Kultur der gütlichen Einigung

(Droit de la Famille: D’une culture du contentieux à une culture de l’amiable.)

Auch wenn die aktueller politische Lage in Frankreich um das Parlament sehr deutlich zu spüren war, konnte das Publikum die angekündigte Veranstaltung besuchen. Sie wurde besonders herzlich vom Justizminister (Éric Dupont-Moretti) eröffnet. Er betonte in seiner Eröffungsrede, wie sehr ihm die Sache am Herzen lag. Ebenso begeistert und begeisterungsfähig war die Patin der Veranstaltung, die Abgeordnete für Paris: Frau Caroline Yadan. Denn das Thema bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine Einführung eines Paradigmenwechsels im Familienrechtsverfahren.

Die Inspiration brachten die Veranstalterinnen, die Friedensanwältinnen Barbara Régent und Marie-Laure Bouze, die für eine komplette Gradwanderung der Anwaltschaftsrolle, zumindest in Familiensachen, plädieren.

 


 

Der Star der Veranstaltung war meiner Meinung nach die belgische Familienrichterin Marie-France Carlier, die in Dinant vor zehn Jahren das in Deutschland entstandene Cochemer Modell erfolgreich implementierte.

Frau Carlier ist euch vielleicht nicht ganz unbekannt. Sie wurde von der Journalistin Heike Klovert für den „Spielgel“ zum Mensch des Jahres gewählt (https://www.spiegel.de/familie/marie-france-carlier-dass-eltern-einander-niedermachen-laesst-sie-nicht-zu-a-53ee9c82-ff54-4578-bf9a-f2c19f0dcef5). Ich persönlich habe ihre Gerichtsverhandlungen beigewöhnt. Ich weiß nicht, ob ihr euch damit auskennt. Könnt ihr euch vorstellen, 13 Gerichtstermine in Familiensachen, die in etwa 3-4 Stunden verhandelt werden, 12 davon in freundlicher, witziger, kooperativer Atmosphäre?

Wenn man es anders kennt, das ist das ein Paradies.

 


 

Das sog. Konsensus-Modell haben die Belgier für sich entdeckt, nun wollen sie es auch in Frankreich. Wäre das was für uns, für unsere Familien, für unsere Kinder, in Deutschland, in Spanien, sonstwo?

Rhetorische Frage 🙂

 

In der besonderen Atmosphäre dürfte ich zu den

Ergebnissen meiner Forschung berichten: Die Prävention von Bindungsabbrüchen zwischen Eltern und Kind, eine Frage der öffentlichen Gesundheit?

(La prévention des ruptures de liens parents-enfants, une question de santé publique ?).

In der Tat zeigt meine Studie – mehr dazu sehr bald – dass die sogenannten Entfremdungskinder – solche die gelernt haben, einen eigenen Elternteil abzulehnen bzw. die unfreiwillig ohne ihn aufgewachsen sind – eine niedrigere Lebenszufriedenheit sowie eine schlechtere psychische und physische Gesundheit aufweisen, als insbesondere Erwachsene, die in intakten Familiengroßgeworden sind, aber auch, als «normale » Trennungskinder.

 

Entfremdung ist dann ein Thema der öffentlichen Gesundheit – und es kommt jährlich relativ häufig vor.

Die Studie legt nahe, dass die Gesundheit als Erwachsene, aber auch die Lebenszufriedenheit – und somit viele andere Aspekte, wie der eigene sozio-ökonomischer Status – stark mit der im Elternhaus erlebten Konfliktexposition in der Kindheit zusammenhängt (erfahrene Konfliktsituationen, Involvierung der Kinder in den Elternkonflikt). Wobei Aspekte des Bindungsabbruchs womöglich den Effekt verstärken .

Eine passende Schlussfolgerung ist dann : Es ist gut für unsere Familie, für unsere Kinder, wenn wir lernen würden, die Elenterkonflikte so konstruktiv und friedlich wie möglich zu lösen… und wenn wir, die Professionellen, die Eltern diesbezüglich unterstützen könnten.

Es wäre also in jeglicher Hinsicht gut, den Paradigmenwechsel auch hier zu implementieren.