Die Wahrheit ist eine Pflicht der Menschenliebe
–
Egal, wie lang der Weg ist, und wie unbequem die Erkenntnisse sind
Die Wahrheit ist eine Pflicht der MenschenliebeDie Wahrheit ist eine Pflicht der MenschenliebeDie Wahrheit ist eine Pflicht der Menschenliebe
–
Egal, wie lang der Weg ist, und wie unbequem die Erkenntnisse sind
Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar, erinnerte Ingeborg Bachmann. Vielleicht ist sie mehr als das. Vielleicht ist sie gerade dort, wo Menschen leiden, eine Pflicht der Menschenliebe.
Vor ungefähr zehn Jahren war ich in den USA. Ich sollte an der Ostküste einen Vortrag über hochstrittige Familienkonflikte halten. Wie häufig vor Vorträgen versuchte ich, den Kopf freizubekommen. Sport hilft mir dabei. Bewegung, ein wenig Abstand, noch einmal Luft holen, bevor man sich für einige Stunden mit den schwierigeren Seiten menschlicher Beziehungen beschäftigt. Dabei kam ich mit einer Frau ins Gespräch. Ich nenne sie mal Harriet.
Irgendwann fragte sie mich, was ich hier mache. Ich erzählte ihr, dass ich wegen eines Vortrags angereist sei. Es gehe um Familienkonflikte, um Kinder, um Eltern, um Trennung und um das, was mit Beziehungen geschehen kann, wenn Konflikte eskalieren.
Plötzlich begann sie zu weinen. Sie erzählte mir, dass sie ihre Kinder seit einiger Zeit nicht mehr sehe. Es war keine wissenschaftliche Diskussion. Kein Streit um Begriffe. Kein Lehrbuch. Da stand einfach ein Mensch vor mir, der seine Kinder vermisste. Wir blieben in Kontakt.
Etwa fünf Jahre später änderte sich die Situation. Das ältere Kind, hier: David, wollte nun bei seiner Mutter leben. Die Beziehung zum Vater war inzwischen belastet. Nach ihrer Darstellung hatte dieser zuvor auf die Kinder gegen die Mutter eingewirkt. Nun verweigerte der Vater – und das jüngere Kind, hier: Oliver – den Kontakt mit seinem älteren Kind.
Bei einem späteren Besuch dieses Jahr traf ich Harriet und David. Harriet glänzte mehr als beim ersten Mal. Aber dann doch nicht so sehr. Zu Oliver habe sie seit vielen Jahren keinen Kontakt.
Aber auch für David war die Situation offenbar nicht einfach. Denn wenn ein Kind erst einen Elternteil verliert und später womöglich auch den anderen, gibt es keinen Gewinner. Die Zerstörung einer Beziehung wird nicht dadurch geheilt, dass anschließend die nächste zerbricht.
Auch aus den USA kontaktierte mich vor einigen Jahren ein Vater, hier: Michael. Auch er berichtete, sein Kind, also Rosa, seit Jahren nicht mehr zu sehen. Wir blieben ebenfalls in Kontakt.
Rosa sei inzwischen im Grundschulalter. Michael sieht sie noch immer nicht. Und Michael geht es nicht gut. Neben der seelischen Belastung – oder womöglich in Verbindung damit – steht eine lebensbedrohliche Erkrankung im Raum. Die Zeit, die Eltern und Kind verlieren, ist nicht abstrakt. Sie lässt sich nicht später einfach zurückgeben.
Vielleicht wird irgendwann jemand feststellen, dass man früher hätte handeln sollen. Vielleicht wird es dann zu spät sein.
Solche Begegnungen hatte ich inzwischen in Dutzenden Ländern. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen, Rechtssysteme und gesellschaftliche Vorstellungen – aber erstaunlich ähnliche Geschichten. Kinder verlieren Eltern. Eltern verlieren Kinder.
Manchmal verliert ein Kind über Jahre hinweg eine Beziehung zu einer Person, die es einmal geliebt hat und von der es geliebt wurde. Manchmal geschieht dies durch Gewalt oder tatsächliche Gefährdung. Dann kann Distanz notwendig sein. Schutz muss immer zuerst kommen. Aber manchmal geschieht etwas anderes.
Ein Kind wird in einen Konflikt hineingezogen. Ein Elternteil wird zunehmend negativ dargestellt. Erinnerungen werden umgedeutet. Loyalität wird geprüft. Nähe zu einem Elternteil beginnt sich wie Verrat am anderen anzufühlen. Kontakte werden erschwert, emotional belastet oder irgendwann vollständig abgebrochen. Diese Vorgänge kann man beobachten. Man kann sie beschreiben. Man kann ihre Entstehung untersuchen. Man kann ihre Folgen untersuchen.
Und trotzdem gibt es Menschen, Organisationen und teilweise auch Professionelle, die den Eindruck vermitteln, schon die Beschäftigung mit solchen Prozessen sei illegitim.
Dann beginnt die Diskussion über Wörter. Gibt es „Eltern-Kind-Entfremdung“? Gibt es dieses oder jenes „Syndrom“? Ist ein bestimmter Begriff wissenschaftlich akzeptabel?
Neulich sprach ich nach einer Gerichtsverhandlung mit einer Kollegin. Ich fragte sie, ob die gezielte Beeinflussung eines Kindes gegen einen Elternteil in ihrem Bundesland als Kindeswohlgefährdung anerkannt werde. Ihre Antwort lautete:
„Eltern-Kind-Entfremdung gibt es nicht.“
Ich fragte zurück: Vergessen wir für einen Moment das Etikett. Nehmen wir nur das Verhalten. Ein Elternteil beeinflusst ein Kind gezielt und nachhaltig gegen den anderen Elternteil. Die Beziehung wird beschädigt. Das Kind gerät in Loyalitätskonflikte. Es übernimmt Feindbilder, Ängste oder Ablehnungen, die sich nicht hinreichend aus eigenen Erfahrungen erklären lassen.
Wäre das eine mögliche Kindeswohlgefährdung? Ihre Antwort war eindeutig: Ja. Das könne psychischen Missbrauch darstellen.
Na also.
Genau hier liegt eines unserer Probleme.
Wir diskutieren bisweilen so leidenschaftlich über Begriffe, dass die Menschen hinter den Begriffen verschwinden. Man darf selbstverständlich über Terminologie streiten. Wissenschaft lebt davon. Man muss Hypothesen prüfen, alternative Erklärungen berücksichtigen und schlechte Konzepte verwerfen.
Aber man darf die Wirklichkeit nicht deshalb abschaffen, weil einem ein Wort nicht gefällt.
Wenn ein Kind manipuliert wird, ist die entscheidende Frage nicht zunächst, welches Etikett wir darauf kleben. Die entscheidende Frage lautet:
Was geschieht mit diesem Kind?
Und danach:
Wie können wir es schützen?
Wissenschaftliche Offenheit bedeutet nicht, dass jede Behauptung gleich viel wert ist. Sie bedeutet, dass wir hinschauen. Dass wir prüfen. Dass wir Zweifel zulassen. Und dass wir unsere Meinung ändern, wenn die Tatsachen dies verlangen.
Genau deshalb halte ich eine Entwicklung für gefährlich: Wenn aus berechtigter Kritik an einzelnen Konzepten die Behauptung konstruiert wird, bestimmte familiäre Prozesse existierten überhaupt nicht.
Ob dies bewusst geschieht oder aus ideologischer Verengung, fachlicher Unkenntnis oder Gruppendynamik heraus, ist für die betroffenen Familien zunächst zweitrangig. Die Wirkung kann dieselbe sein:
Verwirrung. Schmerz
Eine reale fachliche Frage wird in eine vermeintliche Grundsatzkontroverse verwandelt. Statt zu untersuchen, ob ein Kind beeinflusst wurde, diskutieren wir darüber, ob Beeinflussung überhaupt vorkommen darf.
Statt zu untersuchen, warum eine früher tragfähige Beziehung plötzlich zusammengebrochen ist, wird bereits die Frage danach verdächtig.
Statt Hypothesen gegeneinander zu prüfen, wird eine Hypothese aus dem zulässigen Denkraum entfernt.
Das ist keine kognitive Offenheit. Es ist ihr Gegenteil.
Und während Erwachsene über Begriffe streiten, vergeht für Kinder Zeit. Ein Jahr. Drei Jahre. Fünf Jahre. Für ein sechsjähriges Kind sind fünf Jahre beinahe ein ganzes bewusst erlebtes Leben.
Eine Beziehung lässt sich danach vielleicht wieder aufbauen. Vielleicht aber auch nicht. Deshalb genügt mir irgendwann die Antwort nicht mehr, man müsse die fachliche Diskussion eben weiterführen.
Natürlich müssen wir diskutieren.
Es gibt Bücher. Es gibt Aufsätze. Es gibt empirische Studien. Es gibt Erkenntnisse aus Psychologie, Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, Familienrecht, Kinder- und Jugendhilfe und internationaler Rechtsprechung.
Man darf sie kritisieren. Bitte sogar.
Aber dann fachlich: Mit Daten. Mit Methodik. Mit Gegenhypothesen. Mit Argumenten.
Was nicht genügt, ist die bloße Wiederholung eines Satzes. „Das gibt es nicht.“
Damit beginnt für mich inzwischen eine andere Frage.
Welche Verantwortung tragen Menschen, die kritischen, gar grenzwertigen Informationen verbreiten, von denen Entscheidungen über Kinder und Familien beeinflusst werden können?
Wer öffentlich oder institutionell mit fachlicher Autorität auftritt, beeinflusst nicht nur einen akademischen Diskurs. Richterinnen und Richter lesen solche Texte. Jugendämter lesen sie. Verfahrensbeistände lesen sie. Psychologinnen und Psychologen lesen sie. Anwältinnen und Anwälte lesen sie. Politische Entscheidungsträger lesen sie.
Und irgendwann sitzt ein Kind in einem Zimmer und erklärt, einen Elternteil niemals wieder sehen zu wollen. Dann muss jemand entscheiden, was dieses „niemals“ bedeutet.
Schutz? Angst? Eigene Erfahrung? Loyalität? Beeinflussung? Ein vorübergehender Konflikt? Oder mehrere Faktoren gleichzeitig?
Wer vorher den professionellen Denkraum künstlich verkleinert hat, beeinflusst möglicherweise diese Entscheidung.
Deshalb frage ich mich zunehmend, ob grob verantwortungslose Desinformation in diesem Bereich wirklich folgenlos bleiben darf.
Nicht jede falsche Aussage ist eine Straftat. Nicht jeder wissenschaftliche Irrtum begründet Haftung. Und selbstverständlich muss Wissenschaft auch das Recht haben, falsch zu liegen.
Ohne dieses Recht gäbe es keine Wissenschaft. Aber Wissenschaftsfreiheit kann nicht bedeuten, dass Tatsachen beliebig geleugnet, Gegenpositionen karikiert und Menschen mit fachlicher Autorität in die Irre geführt werden dürfen, ohne dass jemals nach Verantwortung gefragt wird.
Wo liegen die Grenzen? Im Verwaltungsrecht? Im Berufsrecht? Im Haftungsrecht? Unter besonderen Umständen vielleicht sogar im Strafrecht?
Ich stelle diese Fragen bewusst offen. Denn auch hier gilt: Erst untersuchen, dann urteilen.
Aber die umgekehrte Haltung – dass professionelle Desinformation unabhängig von ihren Folgen grundsätzlich folgenlos bleiben müsse – überzeugt mich ebenso wenig.
Unsere Gesellschaft kennt Verantwortung in fast allen Lebensbereichen. Wir haben Verkehrsregeln und Sanktionen, weil wir wissen, dass die bloße Bitte um Rücksichtnahme nicht immer genügt. Wir erheben Steuern nicht auf freiwilliger Basis. Wir formulieren berufliche Sorgfaltspflichten. Wir verlangen von Ärzt*innen, Sachverständigen, Behörden und Gerichten bestimmte Standards.
Warum sollte gerade dort, wo Informationen möglicherweise darüber entscheiden, ob ein Kind einen Elternteil noch sieht, Verantwortung plötzlich bedeutungslos werden?
Dabei geht es nicht darum, Menschen für abweichende Meinungen zu bestrafen.
Im Gegenteil. Wir brauchen Widerspruch. Wir brauchen Streit. Wir brauchen Menschen, die auch unbequeme Fragen stellen. Aber wir brauchen einen Streit, der der Wahrheit verpflichtet bleibt.
Wer behauptet, ein bestimmter Prozess existiere nicht, muss sich fragen lassen, auf welcher empirischen Grundlage diese Aussage beruht. Wer eine Studie kritisiert, muss erklären, warum. Wer alternative Erklärungen anbietet, muss sie prüfen lassen. Und wer öffentlich mit wissenschaftlicher Autorität spricht, muss akzeptieren, dass diese Autorität Verantwortung erzeugt.
Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Formen von Menschenliebe: Dem anderen die Wahrheit zuzumuten.
Auch wenn sie unangenehm ist. Auch wenn sie die eigene Überzeugung erschüttert. Auch wenn sie zeigt, dass die eigene Seite nicht immer recht hatte. Auch wenn ein Vater manipuliert. Auch wenn eine Mutter manipuliert. Auch wenn eine Institution versagt. Auch wenn eine Fachrichtung sich geirrt hat. Auch wenn wir selbst uns geirrt haben.
Die Wahrheit kennt keine Partei.
Und Kindeswohl erst recht nicht.
Wir schulden Kindern keine angenehmen Erzählungen. Wir schulden ihnen keine ideologisch passende Wirklichkeit. Wir schulden ihnen den ernsthaften Versuch herauszufinden, was tatsächlich mit ihnen geschieht.
Egal, wie lange dieser Weg dauert. Egal, wie unbequem die Erkenntnisse sind.
Und manchmal auch: egal, wie schwerwiegend die Verantwortung ist, die daraus folgt.
Denn während wir diskutieren, warten irgendwo Kinder auf ihre Eltern. Und Eltern auf ihre Kinder. Manche haben noch viele Jahre. Andere vielleicht nicht.
Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Für Kinder, deren Zeit unwiederbringlich vergeht, ist sie vielleicht noch etwas anderes:
eine Pflicht der Menschenliebe.
________________________________________
English:
Truth Is a Duty of Human Compassion
No Matter How Long the Road, or How Uncomfortable the Findings
“Truth can be borne by humankind,” Ingeborg Bachmann once reminded us. Perhaps it is more than that. Perhaps, precisely where people are suffering, truth is a duty of human compassion.
About ten years ago, I was in the United States. I was due to give a lecture on the East Coast about high-conflict family disputes. As I often do before a lecture, I tried to clear my head. Sport helps me. Movement, a little distance, a chance to breathe before spending several hours dealing with the more difficult sides of human relationships.
While doing so, I got talking to a woman. Let us call her Harriet.
At some point, she asked what I was doing there. I told her that I had travelled to give a lecture. It was about family conflict, children, parents, separation and what can happen to relationships when conflicts escalate.
Suddenly, she began to cry.
She told me that she had not seen her children for some time.
It was not a scientific discussion. There was no dispute about terminology. No textbook. There was simply a human being standing in front of me who missed her children.
We stayed in touch.
About five years later, the situation changed. The older child – let us call him David – now wanted to live with his mother. His relationship with his father had meanwhile become strained. According to Harriet, the father had previously influenced the children against their mother. Now the father – and the younger child, whom I shall call Oliver – rejected contact with the older child.
During a later visit this year, I met Harriet and David. Harriet seemed brighter than when I had first met her. But not entirely. She told me she had had no contact with Oliver for many years.
Yet the situation was apparently far from easy for David either. When a child first loses one parent and later perhaps the other as well, there is no winner. Destroying one relationship is not healed by allowing the next one to break down.
A few years ago, I was also contacted by a father in the United States. Let us call him Michael. He, too, told me that he had not seen his child – Rosa – for years. We also remained in contact.
Rosa is now said to be of primary-school age. Michael still does not see her.
And Michael is not doing well.
Alongside the psychological burden – or perhaps connected with it – he is facing a potentially life-threatening illness. The time parents and children lose is not abstract. It cannot simply be handed back later.
Perhaps one day someone will conclude that action should have been taken earlier.
Perhaps by then it will be too late.
I have since had encounters like these in dozens of countries. Different languages, cultures, legal systems and social ideas – yet remarkably similar stories.
Children lose parents. Parents lose children.
Sometimes a child loses, over a period of years, a relationship with someone whom they once loved and by whom they were loved.
Sometimes this happens because of violence or genuine danger. In those cases, distance may be necessary. Protection must always come first.
But sometimes something else happens.
A child becomes drawn into a conflict. One parent is portrayed in increasingly negative terms. Memories are reinterpreted. Loyalty is tested. Closeness to one parent begins to feel like betrayal of the other. Contact becomes more difficult, emotionally burdened or eventually stops altogether.
These processes can be observed.
They can be described.
Their origins can be investigated.
Their consequences can be studied.
And yet there are people, organisations and, at times, professionals who create the impression that even examining such processes is illegitimate.
Then the discussion turns to words.
Does “parent-child alienation” exist? Does this or that “syndrome” exist? Is a particular term scientifically acceptable?
Recently, after a court hearing, I spoke with a colleague. I asked her whether deliberate influence of a child against one parent was recognised in her federal state as a possible form of child endangerment.
Her answer was:
“Parental alienation does not exist.”
I asked her to forget the label for a moment.
Let us consider only the behaviour.
One parent deliberately and persistently influences a child against the other parent. The relationship is damaged. The child becomes caught in loyalty conflicts. The child adopts hostile images, fears or rejection that cannot adequately be explained by their own experiences.
Could that constitute a possible threat to the child’s welfare?
Her answer was unequivocal: yes. It could amount to psychological abuse.
Exactly.
This is where one of our problems lies.
At times, we argue so passionately about terminology that the people behind the terminology disappear.
Of course terminology may be debated. Science depends on it. Hypotheses must be tested, alternative explanations considered and poor concepts discarded.
But reality cannot be abolished merely because we dislike a word.
When a child is being manipulated, the first question should not be which label we attach to it.
The first question is:
What is happening to this child?
And then:
How can we protect them?
Scientific openness does not mean that every claim is equally valuable.
It means that we look.
That we examine.
That we allow doubt.
And that we change our minds when the facts require us to do so.
This is precisely why I consider one development dangerous: when legitimate criticism of particular concepts is transformed into the assertion that certain family processes do not exist at all.
Whether this happens deliberately or arises from ideological narrowing, lack of professional knowledge or group dynamics is initially of secondary importance to the families concerned.
The effect may be the same:
Confusion.
Pain.
A genuine professional question is transformed into a supposed fundamental controversy.
Instead of investigating whether a child has been influenced, we debate whether such influence is even allowed to exist as a possibility.
Instead of examining why a previously stable relationship has suddenly collapsed, the very act of asking the question becomes suspect.
Instead of testing competing hypotheses, one hypothesis is removed from the permissible space of thought.
That is not cognitive openness.
It is its opposite.
And while adults argue over terminology, time passes for children.
One year.
Three years.
Five years.
For a six-year-old child, five years constitute almost an entire consciously experienced lifetime.
Perhaps a relationship can later be rebuilt.
Perhaps it cannot.
That is why, at some point, the answer that “the professional debate simply needs to continue” is no longer sufficient for me.
Of course we must continue debating.
There are books. There are articles. There are empirical studies. There is knowledge from psychology, attachment research, developmental psychology, family law, child and youth welfare and international case law.
They may all be criticised.
Please do.
But do it professionally:
With data.
With methodology.
With competing hypotheses.
With arguments.
What is not enough is the mere repetition of a sentence:
“It does not exist.”
And this brings me increasingly to another question.
What responsibility is borne by people who disseminate questionable, even borderline information capable of influencing decisions concerning children and families?
Anyone who speaks publicly or institutionally with professional authority does not merely influence an academic debate.
Judges read such texts.
Youth welfare authorities read them.
Children’s representatives read them.
Psychologists read them.
Lawyers read them.
Political decision-makers read them.
And eventually a child sits in a room and says that they never want to see one of their parents again.
Someone then has to decide what that “never” means.
Protection?
Fear?
Personal experience?
Loyalty?
Influence?
A temporary conflict?
Or several factors at the same time?
Anyone who has artificially narrowed the professional space for thought beforehand may influence that decision.
That is why I increasingly ask whether grossly irresponsible misinformation in this field should truly remain entirely without consequences.
Not every false statement is a criminal offence.
Not every scientific error creates liability.
And of course science must have the right to be wrong.
Without that right, there can be no science.
But academic freedom cannot mean that facts may be denied at will, opposing positions caricatured and people misled through the use of professional authority without responsibility ever being questioned.
Where are the limits?
In administrative law?
Professional regulation?
Civil liability?
Under exceptional circumstances, perhaps even criminal law?
I deliberately leave these questions open.
Because the same principle applies here:
Investigate first. Judge afterwards.
Yet the opposite assumption – that professional misinformation must remain without consequences regardless of its effects – convinces me no more.
Our society recognises responsibility in almost every sphere of life.
We have traffic rules and sanctions because we know that simply asking people to be considerate is not always enough.
We do not levy taxes on a voluntary basis.
We establish professional duties of care.
We require doctors, expert witnesses, public authorities and courts to comply with standards.
Why, then, should responsibility suddenly become irrelevant precisely where information may determine whether a child continues to have a relationship with a parent?
This is not about punishing people for holding different opinions.
Quite the opposite.
We need disagreement.
We need debate.
We need people who are willing to ask uncomfortable questions.
But we need a debate that remains committed to truth.
Anyone claiming that a particular process does not exist must be prepared to explain the empirical basis for that claim.
Anyone criticising a study must explain why.
Anyone proposing alternative explanations must allow them to be tested.
And anyone speaking publicly with scientific authority must accept that such authority carries responsibility.
Perhaps this is one of the most important forms of human compassion:
To trust another person with the truth.
Even when it is uncomfortable.
Even when it shakes our own convictions.
Even when it shows that our own side was not always right.
Even when a father manipulates.
Even when a mother manipulates.
Even when an institution fails.
Even when an entire discipline has been mistaken.
Even when we ourselves have been wrong.
Truth takes no side.
And neither does the welfare of a child.
We do not owe children comforting narratives.
We do not owe them an ideologically convenient reality.
We owe them a serious attempt to discover what is actually happening to them.
No matter how long the road.
No matter how uncomfortable the findings.
And sometimes, too, no matter how serious the responsibility that follows from them.
Because while we debate, somewhere children are waiting for their parents.
And parents are waiting for their children.
Some still have many years.
Others perhaps do not.
Truth can be borne by humankind.
For children whose time passes irretrievably, perhaps it is something more:
a duty of human compassion.
_____________________________________________
Español
La verdad es un deber de humanidad.
No importa lo largo que sea el camino ni lo incómodas que sean las conclusiones
«La verdad es soportable para el ser humano», nos recordaba Ingeborg Bachmann. Quizá sea algo más. Quizá, precisamente allí donde las personas sufren, la verdad sea un deber de humanidad.
Hace aproximadamente diez años estuve en Estados Unidos. Debía impartir una conferencia en la costa este sobre conflictos familiares de alta intensidad. Como hago a menudo antes de una conferencia, intenté despejarme. El deporte me ayuda. Moverme, tomar algo de distancia, respirar una vez más antes de dedicar varias horas a algunos de los aspectos más difíciles de las relaciones humanas.
Fue entonces cuando entablé conversación con una mujer. La llamaré Harriet.
En algún momento me preguntó qué hacía allí. Le expliqué que había viajado para impartir una conferencia. Hablaría de conflictos familiares, de niños, de padres, de separación y de lo que puede ocurrir con las relaciones cuando los conflictos escalan.
De repente, empezó a llorar. Me contó que llevaba algún tiempo sin ver a sus hijos.
No fue una discusión científica. No hubo controversia sobre conceptos. No hubo libros de texto. Simplemente había una persona delante de mí que echaba de menos a sus hijos.
Seguimos en contacto. Unos cinco años después, la situación cambió. El hijo mayor –lo llamaré David– quería entonces vivir con su madre. Entretanto, la relación con su padre se había deteriorado. Según el relato de Harriet, el padre había influido anteriormente en los niños contra su madre. Ahora, el padre –y también el hijo menor, al que llamaré Oliver– rechazaban el contacto con el mayor. Bueno, y con la madre.
Durante otra visita, este mismo año, me encontré con Harriet y David. Harriet parecía más luminosa que la primera vez que la conocí. Pero no del todo. Me contó que llevaba muchos años sin tener contacto con Oliver.
Pero tampoco para David la situación parecía sencilla. Porque cuando un niño pierde primero a uno de sus padres y después quizá también al otro, no hay ningún ganador. La destrucción de una relación no se cura permitiendo que después se rompa la siguiente.
También desde Estados Unidos me contactó, hace algunos años, un padre. Lo llamaré Michael. Él también me contó que llevaba años sin ver a su hija, a la que llamaré Rosa. También nosotros seguimos en contacto.
Rosa estaría ya en edad escolar. Michael sigue sin verla. Y Michael no está bien. A la carga emocional –o quizá relacionada con ella– se suma ahora la posibilidad de una enfermedad potencialmente mortal.
El tiempo que pierden padres e hijos no es abstracto. No puede simplemente devolverse más tarde. La pérdida es irrevesible.
Tal vez algún día alguien llegue a la conclusión de que habría sido necesario actuar antes. Quizá entonces ya sea demasiado tarde.
Desde entonces he tenido encuentros semejantes en decenas de países. Lenguas diferentes, culturas diferentes, sistemas jurídicos diferentes y distintas concepciones sociales, pero historias sorprendentemente parecidas.
Los niños pierden a sus padres. Los padres pierden a sus hijos. A veces, durante años, un niño pierde la relación con una persona a la que en otro tiempo amó y por la que fue amado.
En ocasiones ocurre debido a la violencia o a una situación real de peligro. Entonces puede ser necesario mantener distancia.
La protección debe estar siempre en primer lugar.
Pero otras veces ocurre algo distinto. Un niño es introducido en el conflicto de los pades. Uno de los progenitores comienza a ser presentado por el otro de forma cada vez más negativa.Los recuerdos son reinterpretados. La lealtad se pone a prueba.
La cercanía a uno de los progenitores empieza a sentirse como traición al otro. Los contactos se dificultan, se cargan emocionalmente o, finalmente, se interrumpen por completo. Estos procesos pueden observarse. Pueden describirse. Puede estudiarse cómo surgen. Pueden estudiarse sus consecuencias.
Y, sin embargo, hay personas, organizaciones e incluso algunos profesionales que transmiten la impresión de que la mera investigación de estos procesos sería ilegítima.
Entonces comienza la discusión sobre las palabras. ¿Existe la «alienación entre padres e hijos»? ¿Existe este o aquel «síndrome»? ¿Es científicamente aceptable un determinado término?
Hace poco, después de una vista judicial, hablé con una colega. Le pregunté si, en su estado federado, la influencia deliberada de un progenitor sobre un niño contra el otro podía considerarse una posible situación de riesgo para el bienestar del menor.
Su respuesta fue: «La alienación parental no existe».
Le respondí:Olvidemos por un momento la etiqueta. Consideremos únicamente la conducta: Un progenitor influye de forma deliberada y persistente en un niño contra el otro. La relación resulta dañada. El niño entra en conflictos de lealtad. Adopta imágenes hostiles, miedos o rechazos que no pueden explicarse suficientemente a partir de sus propias experiencias. ¿Podría eso constituir una posible situación de riesgo para el bienestar del niño?
Su respuesta fue inequívoca: Sí, sin duda. Podría constituir maltrato psicológico.
Exactamente. Ahí reside uno de nuestros problemas.
A veces discutimos con tanta pasión sobre los conceptos que desaparecen las personas que hay detrás de ellos.
Por supuesto que se puede discutir sobre terminología. La ciencia vive de ello. Hay que contrastar hipótesis, considerar explicaciones alternativas y descartar conceptos deficientes.
Pero no podemos abolir la realidad simplemente porque no nos guste una palabra, o un resultado. Cuando un niño está siendo manipulado, la primera pregunta no debería ser qué etiqueta queremos colocar sobre la situación. La primera pregunta debería ser:
¿Qué le está ocurriendo a este niño?
Y después:
¿Cómo podemos protegerlo?
La apertura científica no significa que todas las afirmaciones tengan el mismo valor. Significa que miramos. Que examinamos. Que admitimos la duda. Y que cambiamos de opinión cuando los hechos lo exigen.
Precisamente por eso considero peligrosa una determinada evolución: que a partir de una crítica legítima a ciertos conceptos se construya la afirmación de que determinados procesos familiares no existen en absoluto.
Que esto se haga deliberadamente o sea consecuencia de un estrechamiento ideológico, de desconocimiento profesional o de dinámicas de grupo resulta inicialmente secundario para las familias afectadas. El efecto puede ser el mismo: Confusión. Dolor.
Sin embargo, una pregunta profesional real se transforma en una supuesta controversia fundamental. En lugar de investigar si un niño ha sido influido, discutimos si tal influencia puede siquiera existir.
En lugar de analizar por qué una relación anteriormente estable se ha derrumbado de pronto, la propia pregunta pasa a resultar sospechosa.
En lugar de contrastar hipótesis alternativas, eliminamos una hipótesis del espacio de pensamiento permitido.
Eso no es apertura cognitiva. Es justamente lo contrario.
Y mientras los adultos discuten sobre palabras, para los niños pasa el tiempo. Un año. Tres años. Cinco años. Para un niño de seis años, cinco años equivalen casi a toda su vida vivida conscientemente.
Quizá después pueda reconstruirse una relación. Quizá no.
Por eso llega un momento en el que ya no me basta la respuesta de que «el debate profesional debe continuar». Por supuesto que debemos seguir debatiendo.
Hay libros. Hay artículos. Hay estudios empíricos. Hay conocimientos procedentes de la psicología, la investigación sobre el apego, la psicología del desarrollo, el derecho de familia, la protección de la infancia y la juventud y la jurisprudencia internacional.
Pueden criticarse. Por favor, háganlo. Pero profesionalmente:
Con datos. Con metodología. Con hipótesis alternativas. Con argumentos.
Lo que no basta es repetir una frase: «Eso no existe».
Y ahí comienza, para mí, otra pregunta.
¿Qué responsabilidad tienen las personas que difunden informaciones cuestionables, incluso limítrofes, capaces de influir en decisiones sobre niños y familias?
Quien se presenta pública o institucionalmente con autoridad profesional no influye únicamente en un debate académico. Los jueces leen esos textos. Los servicios de protección de menores los leen. Los representantes de los niños los leen. Los psicólogos los leen. Los abogados los leen. Los responsables políticos los leen.
Y, en algún momento, un niño se encuentra sentado en una habitación y afirma que no quiere volver a ver nunca a uno de sus padres.
Entonces alguien debe decidir qué significa ese «nunca»: ¿Protección? ¿Miedo? ¿Experiencia propia? ¿Lealtad? ¿Influencia? ¿Un conflicto puntual, parental, temporal? ¿O varios factores simultáneamente?
Quien previamente haya reducido artificialmente el espacio profesional de pensamiento puede estar influyendo en esa decisión. Por eso me pregunto cada vez más si una desinformación profesional gravemente irresponsable en este ámbito debería quedar realmente sin consecuencias.
No toda afirmación falsa constituye un delito. No todo error científico genera responsabilidad jurídica. Y, por supuesto, la ciencia debe tener también derecho a equivocarse. Sin ese derecho no existiría ciencia.
Pero la libertad científica no puede significar que los hechos puedan negarse arbitrariamente, las posiciones contrarias caricaturizarse y las personas puedan ser inducidas a error mediante la autoridad profesional sin que nunca se plantee la cuestión de la responsabilidad.
¿Dónde están los límites? ¿En el Derecho administrativo? ¿En las normas profesionales? ¿En la responsabilidad civil? ¿En determinadas circunstancias quizá incluso en el Derecho penal? Planteo estas preguntas deliberadamente de forma abierta.
Porque también aquí debe valer: Primero investigar. Después juzgar.
Pero tampoco me convence la posición contraria: que la desinformación profesional deba carecer necesariamente de consecuencias con independencia de sus efectos.
Nuestra sociedad conoce la responsabilidad en prácticamente todos los ámbitos de la vida. Tenemos normas de tráfico y sanciones porque sabemos que limitarse a pedir consideración a los demás no siempre basta. Los impuestos no se pagan voluntariamente. Establecemos deberes profesionales de diligencia. Exigimos determinadas normas a médicos, peritos, administraciones y tribunales.
¿Por qué precisamente allí donde una información puede decidir si un niño sigue viendo o no a uno de sus padres debería dejar de tener importancia la responsabilidad?
No se trata de castigar a las personas por tener opiniones distintas. Todo lo contrario. Necesitamos discrepancia. Necesitamos debate. Necesitamos personas que planteen preguntas incómodas.
Pero necesitamos un debate que siga comprometido con la verdad. Quien afirma que un determinado proceso no existe debe aceptar que se le pregunte sobre qué base empírica sostiene esa afirmación. Quien critica un estudio debe explicar por qué. Quien propone explicaciones alternativas debe someterlas a contraste.
Y quien habla públicamente con autoridad científica debe aceptar que esa autoridad genera responsabilidad.
Quizá ahí se encuentre una de las formas más importantes de humanidad:
Considerar al otro capaz de soportar la verdad. Incluso cuando resulte incómoda. Incluso cuando sacuda nuestras propias convicciones. Incluso cuando demuestre que nuestro propio lado no siempre tenía razón. Incluso cuando manipula un padre. Incluso cuando manipula una madre. Incluso cuando fracasa una institución. Incluso cuando se ha equivocado una disciplina entera. Incluso cuando nosotros mismos nos hemos equivocado.
La verdad no tiene partido.
Y el bienestar del niño, mucho menos.
No debemos a los niños relatos agradables. No les debemos una realidad adaptada a nuestra ideología.
Les debemos el intento serio de descubrir qué les está ocurriendo realmente.
No importa cuánto dure el camino. No importa cuán incómodos resulten los hallazgos. Y a veces también: no importa cuán grave sea la responsabilidad que se derive de ellos.
Porque mientras nosotros debatimos, en algún lugar hay niños esperando a sus padres. Y padres esperando a sus hijos.
Algunos todavía tienen muchos años por delante. Otros quizá no.
La verdad es soportable para el ser humano.
Para los niños cuyo tiempo transcurre de forma irreversible, quizá sea algo más:
un deber de humanidad, de compasión humana.
_____________________________________________
Français
La vérité est un devoir d’humanité
Peu importe la longueur du chemin et combien les conclusions peuvent être dérangeantes
« La vérité est supportable pour l’être humain », rappelait Ingeborg Bachmann. Peut-être est-elle davantage encore. Peut-être que, précisément là où des êtres humains souffrent, la vérité devient un devoir d’humanité.
Il y a environ dix ans, j’étais aux États-Unis. Je devais donner, sur la côte Est, une conférence consacrée aux conflits familiaux hautement conflictuels. Comme souvent avant une intervention, j’essayais de me vider l’esprit. Le sport m’y aide. Bouger, prendre un peu de distance, respirer encore une fois avant de passer quelques heures à réfléchir aux aspects les plus difficiles des relations humaines.
C’est ainsi que j’ai commencé à discuter avec une femme. Appelons-la Harriet.
À un moment donné, elle m’a demandé ce que je faisais là. Je lui ai expliqué que j’étais venu pour donner une conférence. Il serait question de conflits familiaux, d’enfants, de parents, de séparation et de ce qui peut arriver aux relations lorsque les conflits s’aggravent.
Soudain, elle s’est mise à pleurer.
Elle m’a raconté qu’elle ne voyait plus ses enfants depuis quelque temps.
Ce n’était pas une discussion scientifique.
Il n’était pas question de débattre de concepts.
Il n’y avait aucun manuel.
Il y avait simplement devant moi une personne à qui ses enfants manquaient.
Nous sommes restés en contact.
Environ cinq ans plus tard, la situation a changé. L’aîné – appelons-le David – souhaitait désormais vivre avec sa mère. Sa relation avec son père s’était entre-temps dégradée. Selon le récit de Harriet, celui-ci avait auparavant influencé les enfants contre leur mère. Désormais, le père – ainsi que le plus jeune enfant, que j’appellerai Oliver – refusait le contact avec l’aîné.
Lors d’une nouvelle visite cette année, j’ai rencontré Harriet et David. Harriet semblait plus lumineuse que lors de notre première rencontre. Mais pas complètement. Elle me racontait qu’elle n’avait plus aucun contact avec Oliver depuis de nombreuses années.
Pour David non plus, la situation ne semblait guère simple. Lorsqu’un enfant perd d’abord un parent puis, peut-être, l’autre également, il n’y a pas de gagnant. La destruction d’une relation ne se répare pas en laissant ensuite la suivante se briser.
Il y a quelques années, toujours aux États-Unis, un père m’a également contacté. Appelons-le Michael. Lui aussi m’a expliqué qu’il ne voyait plus son enfant – Rosa – depuis plusieurs années. Nous sommes également restés en contact.
Rosa serait aujourd’hui en âge d’aller à l’école primaire. Michael ne la voit toujours pas.
Et Michael ne va pas bien.
À la souffrance psychologique – ou peut-être en lien avec elle – s’ajoute aujourd’hui la possibilité d’une maladie mettant sa vie en danger.
Le temps que perdent les parents et les enfants n’est pas abstrait.
On ne peut pas simplement le leur rendre plus tard.
Peut-être qu’un jour quelqu’un constatera qu’il aurait fallu agir plus tôt.
Peut-être qu’alors il sera trop tard.
J’ai depuis vécu des rencontres similaires dans des dizaines de pays.
Des langues différentes, des cultures différentes, des systèmes juridiques et des conceptions sociales différentes – mais des histoires étonnamment semblables.
Des enfants perdent leurs parents.
Des parents perdent leurs enfants.
Parfois, pendant des années, un enfant perd la relation avec une personne qu’il a autrefois aimée et dont il a été aimé.
Parfois, cela se produit en raison de violences ou d’un danger réel. Dans ce cas, la distance peut être nécessaire.
La protection doit toujours passer en premier.
Mais parfois, quelque chose d’autre se produit.
Un enfant est entraîné dans un conflit.
L’un des parents est présenté de manière de plus en plus négative.
Les souvenirs sont réinterprétés.
La loyauté est mise à l’épreuve.
Être proche d’un parent commence à ressembler à une trahison de l’autre.
Les contacts deviennent difficiles, émotionnellement chargés ou finissent par disparaître entièrement.
Ces processus peuvent être observés.
Ils peuvent être décrits.
Leur apparition peut être étudiée.
Leurs conséquences peuvent être étudiées.
Et pourtant, certaines personnes, organisations et parfois même certains professionnels donnent l’impression que le simple fait d’étudier de tels processus serait illégitime.
Alors commence la discussion sur les mots.
L’« aliénation parent-enfant » existe-t-elle ?
Tel ou tel « syndrome » existe-t-il ?
Un concept particulier est-il scientifiquement acceptable ?
Récemment, après une audience, j’ai discuté avec une collègue. Je lui ai demandé si, dans son Land, le fait d’influencer délibérément un enfant contre l’un de ses parents pouvait être reconnu comme une possible mise en danger de l’enfant.
Sa réponse fut :
« L’aliénation parent-enfant n’existe pas. »
Je lui ai répondu :
Oublions un instant l’étiquette.
Regardons seulement le comportement.
Un parent influence délibérément et durablement l’enfant contre l’autre parent. La relation est endommagée. L’enfant entre dans des conflits de loyauté. Il adopte des images hostiles, des peurs ou un rejet qui ne s’expliquent pas suffisamment par ses propres expériences.
Cela pourrait-il constituer une mise en danger de l’enfant ?
Sa réponse fut sans ambiguïté :
Oui.
Cela pourrait constituer une forme de maltraitance psychologique.
Voilà.
C’est précisément là que réside l’un de nos problèmes.
Nous discutons parfois avec tant de passion des mots que les êtres humains derrière ces mots disparaissent.
On peut évidemment discuter de terminologie.
La science vit de cela.
Il faut tester les hypothèses, considérer les explications alternatives et abandonner les mauvais concepts.
Mais on ne peut pas abolir la réalité simplement parce qu’un mot nous déplaît.
Lorsqu’un enfant est manipulé, la première question ne devrait pas être celle de l’étiquette que nous allons apposer sur la situation.
La première question devrait être :
Qu’est-il en train d’arriver à cet enfant ?
Et ensuite :
Comment pouvons-nous le protéger ?
L’ouverture scientifique ne signifie pas que toutes les affirmations se valent.
Elle signifie que nous regardons.
Que nous examinons.
Que nous acceptons le doute.
Et que nous changeons d’avis lorsque les faits l’exigent.
C’est précisément pour cette raison que je considère une certaine évolution comme dangereuse : lorsque la critique légitime de certains concepts est transformée en affirmation selon laquelle certains processus familiaux n’existeraient tout simplement pas.
Que cela soit intentionnel ou résulte d’un rétrécissement idéologique, d’une méconnaissance professionnelle ou de dynamiques de groupe importe, dans un premier temps, relativement peu aux familles concernées.
L’effet peut être le même :
Confusion.
Douleur.
Une véritable question professionnelle est transformée en prétendue controverse fondamentale.
Au lieu de rechercher si un enfant a subi une influence, nous discutons de la question de savoir si une telle influence a seulement le droit d’exister en tant qu’hypothèse.
Au lieu d’examiner pourquoi une relation autrefois solide s’est soudainement effondrée, le simple fait de poser la question devient suspect.
Au lieu de confronter différentes hypothèses, l’une d’entre elles est retirée du champ de pensée autorisé.
Ce n’est pas de l’ouverture cognitive.
C’est son contraire.
Et pendant que les adultes discutent de concepts, le temps passe pour les enfants.
Un an.
Trois ans.
Cinq ans.
Pour un enfant de six ans, cinq années représentent presque toute sa vie consciemment vécue.
Peut-être une relation pourra-t-elle ensuite être reconstruite.
Peut-être pas.
C’est pourquoi, à un certain moment, la réponse selon laquelle « le débat professionnel doit simplement continuer » ne me suffit plus.
Bien sûr qu’il faut continuer à débattre.
Il existe des livres.
Des articles.
Des études empiriques.
Des connaissances issues de la psychologie, de la recherche sur l’attachement, de la psychologie du développement, du droit de la famille, de l’aide à l’enfance et à la jeunesse ainsi que de la jurisprudence internationale.
On peut les critiquer.
Il faut même le faire.
Mais professionnellement :
Avec des données.
Avec une méthodologie.
Avec des hypothèses alternatives.
Avec des arguments.
Ce qui ne suffit pas, c’est la répétition d’une phrase :
« Cela n’existe pas. »
Et cela m’amène de plus en plus à une autre question.
Quelle responsabilité portent les personnes qui diffusent des informations contestables, voire limites, susceptibles d’influencer les décisions concernant des enfants et des familles ?
Celui qui intervient publiquement ou institutionnellement avec une autorité professionnelle n’influence pas seulement un débat académique.
Les juges lisent ces textes.
Les services de protection de la jeunesse les lisent.
Les représentants des enfants les lisent.
Les psychologues les lisent.
Les avocats les lisent.
Les responsables politiques les lisent.
Et un jour, un enfant est assis dans une pièce et explique qu’il ne veut plus jamais revoir l’un de ses parents.
Quelqu’un doit alors décider ce que signifie ce « jamais ».
Protection ?
Peur ?
Expérience propre ?
Loyauté ?
Influence ?
Conflit temporaire ?
Ou plusieurs facteurs en même temps ?
Celui qui a auparavant artificiellement réduit le champ de réflexion professionnel influence peut-être cette décision.
C’est pourquoi je me demande de plus en plus si une désinformation professionnellement irresponsable dans ce domaine doit réellement rester sans conséquence.
Toute affirmation fausse n’est pas une infraction pénale.
Toute erreur scientifique n’engage pas une responsabilité juridique.
Et, bien entendu, la science doit également avoir le droit de se tromper.
Sans ce droit, il n’y aurait pas de science.
Mais la liberté scientifique ne peut pas signifier que l’on puisse nier arbitrairement des faits, caricaturer les positions opposées et induire en erreur des personnes en utilisant une autorité professionnelle sans que la question de la responsabilité soit jamais posée.
Où se trouvent les limites ?
En droit administratif ?
Dans les règles déontologiques professionnelles ?
En responsabilité civile ?
Dans certaines circonstances particulières, peut-être même en droit pénal ?
Je pose volontairement ces questions de manière ouverte.
Car ici aussi vaut le principe :
Examiner d’abord.
Juger ensuite.
Mais l’attitude inverse – selon laquelle la désinformation professionnelle devrait nécessairement rester sans conséquence, quelles qu’en soient les répercussions – ne me convainc pas davantage.
Notre société connaît le principe de responsabilité dans presque tous les domaines de la vie.
Nous avons des règles de circulation et des sanctions parce que nous savons que demander simplement aux personnes de faire attention ne suffit pas toujours.
Nous ne levons pas les impôts sur une base volontaire.
Nous définissons des obligations professionnelles de diligence.
Nous exigeons des médecins, des experts, des autorités et des tribunaux qu’ils respectent certaines normes.
Pourquoi la responsabilité devrait-elle soudain perdre toute importance précisément là où des informations peuvent déterminer si un enfant continuera ou non à voir l’un de ses parents ?
Il ne s’agit pas de punir des personnes parce qu’elles ont une opinion différente.
Bien au contraire.
Nous avons besoin de contradiction.
Nous avons besoin de débat.
Nous avons besoin de personnes capables de poser des questions inconfortables.
Mais nous avons besoin d’un débat qui reste lié à la vérité.
Celui qui affirme qu’un processus déterminé n’existe pas doit accepter qu’on lui demande sur quelle base empirique repose cette affirmation.
Celui qui critique une étude doit expliquer pourquoi.
Celui qui propose des explications alternatives doit accepter qu’elles soient soumises à l’examen.
Et celui qui parle publiquement avec une autorité scientifique doit accepter que cette autorité crée également une responsabilité.
Peut-être est-ce là l’une des formes les plus importantes d’humanité :
Oser confronter l’autre à la vérité.
Même lorsqu’elle est inconfortable.
Même lorsqu’elle ébranle nos propres convictions.
Même lorsqu’elle montre que notre propre camp n’avait pas toujours raison.
Même lorsqu’un père manipule.
Même lorsqu’une mère manipule.
Même lorsqu’une institution échoue.
Même lorsqu’une discipline entière s’est trompée.
Même lorsque nous nous sommes nous-mêmes trompés.
La vérité n’a pas de camp.
Et l’intérêt de l’enfant encore moins.
Nous ne devons pas aux enfants des récits agréables.
Nous ne leur devons pas une réalité conforme à nos idéologies.
Nous leur devons la tentative sérieuse de comprendre ce qui leur arrive réellement.
Peu importe combien de temps dure le chemin.
Peu importe combien les conclusions sont dérangeantes.
Et parfois aussi : peu importe l’importance de la responsabilité qui en découle.
Car pendant que nous débattons, quelque part, des enfants attendent leurs parents.
Et des parents attendent leurs enfants.
Certains disposent encore de nombreuses années.
D’autres peut-être pas.
La vérité est supportable pour l’être humain.
Pour les enfants dont le temps passe de manière irréversible, elle est peut-être encore autre chose :
un devoir d’humanité.
Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar, erinnerte Ingeborg Bachmann. Vielleicht ist sie mehr als das. Vielleicht ist sie gerade dort, wo Menschen leiden, eine Pflicht der Menschenliebe.
Vor ungefähr zehn Jahren war ich in den USA. Ich sollte an der Ostküste einen Vortrag über hochstrittige Familienkonflikte halten. Wie häufig vor Vorträgen versuchte ich, den Kopf freizubekommen. Sport hilft mir dabei. Bewegung, ein wenig Abstand, noch einmal Luft holen, bevor man sich für einige Stunden mit den schwierigeren Seiten menschlicher Beziehungen beschäftigt. Dabei kam ich mit einer Frau ins Gespräch. Ich nenne sie mal Harriet.
Irgendwann fragte sie mich, was ich hier mache. Ich erzählte ihr, dass ich wegen eines Vortrags angereist sei. Es gehe um Familienkonflikte, um Kinder, um Eltern, um Trennung und um das, was mit Beziehungen geschehen kann, wenn Konflikte eskalieren.
Plötzlich begann sie zu weinen. Sie erzählte mir, dass sie ihre Kinder seit einiger Zeit nicht mehr sehe. Es war keine wissenschaftliche Diskussion. Kein Streit um Begriffe. Kein Lehrbuch. Da stand einfach ein Mensch vor mir, der seine Kinder vermisste. Wir blieben in Kontakt.
Etwa fünf Jahre später änderte sich die Situation. Das ältere Kind, hier: David, wollte nun bei seiner Mutter leben. Die Beziehung zum Vater war inzwischen belastet. Nach ihrer Darstellung hatte dieser zuvor auf die Kinder gegen die Mutter eingewirkt. Nun verweigerte der Vater – und das jüngere Kind, hier: Oliver – den Kontakt mit seinem älteren Kind.
Bei einem späteren Besuch dieses Jahr traf ich Harriet und David. Harriet glänzte mehr als beim ersten Mal. Aber dann doch nicht so sehr. Zu Oliver habe sie seit vielen Jahren keinen Kontakt.
Aber auch für David war die Situation offenbar nicht einfach. Denn wenn ein Kind erst einen Elternteil verliert und später womöglich auch den anderen, gibt es keinen Gewinner. Die Zerstörung einer Beziehung wird nicht dadurch geheilt, dass anschließend die nächste zerbricht.
Auch aus den USA kontaktierte mich vor einigen Jahren ein Vater, hier: Michael. Auch er berichtete, sein Kind, also Rosa, seit Jahren nicht mehr zu sehen. Wir blieben ebenfalls in Kontakt.
Rosa sei inzwischen im Grundschulalter. Michael sieht sie noch immer nicht. Und Michael geht es nicht gut. Neben der seelischen Belastung – oder womöglich in Verbindung damit – steht eine lebensbedrohliche Erkrankung im Raum. Die Zeit, die Eltern und Kind verlieren, ist nicht abstrakt. Sie lässt sich nicht später einfach zurückgeben.
Vielleicht wird irgendwann jemand feststellen, dass man früher hätte handeln sollen. Vielleicht wird es dann zu spät sein.
Solche Begegnungen hatte ich inzwischen in Dutzenden Ländern. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen, Rechtssysteme und gesellschaftliche Vorstellungen – aber erstaunlich ähnliche Geschichten. Kinder verlieren Eltern. Eltern verlieren Kinder.
Manchmal verliert ein Kind über Jahre hinweg eine Beziehung zu einer Person, die es einmal geliebt hat und von der es geliebt wurde. Manchmal geschieht dies durch Gewalt oder tatsächliche Gefährdung. Dann kann Distanz notwendig sein. Schutz muss immer zuerst kommen. Aber manchmal geschieht etwas anderes.
Ein Kind wird in einen Konflikt hineingezogen. Ein Elternteil wird zunehmend negativ dargestellt. Erinnerungen werden umgedeutet. Loyalität wird geprüft. Nähe zu einem Elternteil beginnt sich wie Verrat am anderen anzufühlen. Kontakte werden erschwert, emotional belastet oder irgendwann vollständig abgebrochen. Diese Vorgänge kann man beobachten. Man kann sie beschreiben. Man kann ihre Entstehung untersuchen. Man kann ihre Folgen untersuchen.
Und trotzdem gibt es Menschen, Organisationen und teilweise auch Professionelle, die den Eindruck vermitteln, schon die Beschäftigung mit solchen Prozessen sei illegitim.
Dann beginnt die Diskussion über Wörter. Gibt es „Eltern-Kind-Entfremdung“? Gibt es dieses oder jenes „Syndrom“? Ist ein bestimmter Begriff wissenschaftlich akzeptabel?
Neulich sprach ich nach einer Gerichtsverhandlung mit einer Kollegin. Ich fragte sie, ob die gezielte Beeinflussung eines Kindes gegen einen Elternteil in ihrem Bundesland als Kindeswohlgefährdung anerkannt werde. Ihre Antwort lautete:
„Eltern-Kind-Entfremdung gibt es nicht.“
Ich fragte zurück: Vergessen wir für einen Moment das Etikett. Nehmen wir nur das Verhalten. Ein Elternteil beeinflusst ein Kind gezielt und nachhaltig gegen den anderen Elternteil. Die Beziehung wird beschädigt. Das Kind gerät in Loyalitätskonflikte. Es übernimmt Feindbilder, Ängste oder Ablehnungen, die sich nicht hinreichend aus eigenen Erfahrungen erklären lassen.
Wäre das eine mögliche Kindeswohlgefährdung? Ihre Antwort war eindeutig: Ja. Das könne psychischen Missbrauch darstellen.
Na also.
Genau hier liegt eines unserer Probleme.
Wir diskutieren bisweilen so leidenschaftlich über Begriffe, dass die Menschen hinter den Begriffen verschwinden. Man darf selbstverständlich über Terminologie streiten. Wissenschaft lebt davon. Man muss Hypothesen prüfen, alternative Erklärungen berücksichtigen und schlechte Konzepte verwerfen.
Aber man darf die Wirklichkeit nicht deshalb abschaffen, weil einem ein Wort nicht gefällt.
Wenn ein Kind manipuliert wird, ist die entscheidende Frage nicht zunächst, welches Etikett wir darauf kleben. Die entscheidende Frage lautet:
Was geschieht mit diesem Kind?
Und danach:
Wie können wir es schützen?
Wissenschaftliche Offenheit bedeutet nicht, dass jede Behauptung gleich viel wert ist. Sie bedeutet, dass wir hinschauen. Dass wir prüfen. Dass wir Zweifel zulassen. Und dass wir unsere Meinung ändern, wenn die Tatsachen dies verlangen.
Genau deshalb halte ich eine Entwicklung für gefährlich: Wenn aus berechtigter Kritik an einzelnen Konzepten die Behauptung konstruiert wird, bestimmte familiäre Prozesse existierten überhaupt nicht.
Ob dies bewusst geschieht oder aus ideologischer Verengung, fachlicher Unkenntnis oder Gruppendynamik heraus, ist für die betroffenen Familien zunächst zweitrangig. Die Wirkung kann dieselbe sein:
Verwirrung. Schmerz
Eine reale fachliche Frage wird in eine vermeintliche Grundsatzkontroverse verwandelt. Statt zu untersuchen, ob ein Kind beeinflusst wurde, diskutieren wir darüber, ob Beeinflussung überhaupt vorkommen darf.
Statt zu untersuchen, warum eine früher tragfähige Beziehung plötzlich zusammengebrochen ist, wird bereits die Frage danach verdächtig.
Statt Hypothesen gegeneinander zu prüfen, wird eine Hypothese aus dem zulässigen Denkraum entfernt.
Das ist keine kognitive Offenheit. Es ist ihr Gegenteil.
Und während Erwachsene über Begriffe streiten, vergeht für Kinder Zeit. Ein Jahr. Drei Jahre. Fünf Jahre. Für ein sechsjähriges Kind sind fünf Jahre beinahe ein ganzes bewusst erlebtes Leben.
Eine Beziehung lässt sich danach vielleicht wieder aufbauen. Vielleicht aber auch nicht. Deshalb genügt mir irgendwann die Antwort nicht mehr, man müsse die fachliche Diskussion eben weiterführen.
Natürlich müssen wir diskutieren.
Es gibt Bücher. Es gibt Aufsätze. Es gibt empirische Studien. Es gibt Erkenntnisse aus Psychologie, Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, Familienrecht, Kinder- und Jugendhilfe und internationaler Rechtsprechung.
Man darf sie kritisieren. Bitte sogar.
Aber dann fachlich: Mit Daten. Mit Methodik. Mit Gegenhypothesen. Mit Argumenten.
Was nicht genügt, ist die bloße Wiederholung eines Satzes. „Das gibt es nicht.“
Damit beginnt für mich inzwischen eine andere Frage.
Welche Verantwortung tragen Menschen, die kritischen, gar grenzwertigen Informationen verbreiten, von denen Entscheidungen über Kinder und Familien beeinflusst werden können?
Wer öffentlich oder institutionell mit fachlicher Autorität auftritt, beeinflusst nicht nur einen akademischen Diskurs. Richterinnen und Richter lesen solche Texte. Jugendämter lesen sie. Verfahrensbeistände lesen sie. Psychologinnen und Psychologen lesen sie. Anwältinnen und Anwälte lesen sie. Politische Entscheidungsträger lesen sie.
Und irgendwann sitzt ein Kind in einem Zimmer und erklärt, einen Elternteil niemals wieder sehen zu wollen. Dann muss jemand entscheiden, was dieses „niemals“ bedeutet.
Schutz? Angst? Eigene Erfahrung? Loyalität? Beeinflussung? Ein vorübergehender Konflikt? Oder mehrere Faktoren gleichzeitig?
Wer vorher den professionellen Denkraum künstlich verkleinert hat, beeinflusst möglicherweise diese Entscheidung.
Deshalb frage ich mich zunehmend, ob grob verantwortungslose Desinformation in diesem Bereich wirklich folgenlos bleiben darf.
Nicht jede falsche Aussage ist eine Straftat. Nicht jeder wissenschaftliche Irrtum begründet Haftung. Und selbstverständlich muss Wissenschaft auch das Recht haben, falsch zu liegen.
Ohne dieses Recht gäbe es keine Wissenschaft. Aber Wissenschaftsfreiheit kann nicht bedeuten, dass Tatsachen beliebig geleugnet, Gegenpositionen karikiert und Menschen mit fachlicher Autorität in die Irre geführt werden dürfen, ohne dass jemals nach Verantwortung gefragt wird.
Wo liegen die Grenzen? Im Verwaltungsrecht? Im Berufsrecht? Im Haftungsrecht? Unter besonderen Umständen vielleicht sogar im Strafrecht?
Ich stelle diese Fragen bewusst offen. Denn auch hier gilt: Erst untersuchen, dann urteilen.
Aber die umgekehrte Haltung – dass professionelle Desinformation unabhängig von ihren Folgen grundsätzlich folgenlos bleiben müsse – überzeugt mich ebenso wenig.
Unsere Gesellschaft kennt Verantwortung in fast allen Lebensbereichen. Wir haben Verkehrsregeln und Sanktionen, weil wir wissen, dass die bloße Bitte um Rücksichtnahme nicht immer genügt. Wir erheben Steuern nicht auf freiwilliger Basis. Wir formulieren berufliche Sorgfaltspflichten. Wir verlangen von Ärzt*innen, Sachverständigen, Behörden und Gerichten bestimmte Standards.
Warum sollte gerade dort, wo Informationen möglicherweise darüber entscheiden, ob ein Kind einen Elternteil noch sieht, Verantwortung plötzlich bedeutungslos werden?
Dabei geht es nicht darum, Menschen für abweichende Meinungen zu bestrafen.
Im Gegenteil. Wir brauchen Widerspruch. Wir brauchen Streit. Wir brauchen Menschen, die auch unbequeme Fragen stellen. Aber wir brauchen einen Streit, der der Wahrheit verpflichtet bleibt.
Wer behauptet, ein bestimmter Prozess existiere nicht, muss sich fragen lassen, auf welcher empirischen Grundlage diese Aussage beruht. Wer eine Studie kritisiert, muss erklären, warum. Wer alternative Erklärungen anbietet, muss sie prüfen lassen. Und wer öffentlich mit wissenschaftlicher Autorität spricht, muss akzeptieren, dass diese Autorität Verantwortung erzeugt.
Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Formen von Menschenliebe: Dem anderen die Wahrheit zuzumuten.
Auch wenn sie unangenehm ist. Auch wenn sie die eigene Überzeugung erschüttert. Auch wenn sie zeigt, dass die eigene Seite nicht immer recht hatte. Auch wenn ein Vater manipuliert. Auch wenn eine Mutter manipuliert. Auch wenn eine Institution versagt. Auch wenn eine Fachrichtung sich geirrt hat. Auch wenn wir selbst uns geirrt haben.
Die Wahrheit kennt keine Partei.
Und Kindeswohl erst recht nicht.
Wir schulden Kindern keine angenehmen Erzählungen. Wir schulden ihnen keine ideologisch passende Wirklichkeit. Wir schulden ihnen den ernsthaften Versuch herauszufinden, was tatsächlich mit ihnen geschieht.
Egal, wie lange dieser Weg dauert. Egal, wie unbequem die Erkenntnisse sind.
Und manchmal auch: egal, wie schwerwiegend die Verantwortung ist, die daraus folgt.
Denn während wir diskutieren, warten irgendwo Kinder auf ihre Eltern. Und Eltern auf ihre Kinder. Manche haben noch viele Jahre. Andere vielleicht nicht.
Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Für Kinder, deren Zeit unwiederbringlich vergeht, ist sie vielleicht noch etwas anderes:
eine Pflicht der Menschenliebe.
________________________________________
English:
Truth Is a Duty of Human Compassion
No Matter How Long the Road, or How Uncomfortable the Findings
“Truth can be borne by humankind,” Ingeborg Bachmann once reminded us. Perhaps it is more than that. Perhaps, precisely where people are suffering, truth is a duty of human compassion.
About ten years ago, I was in the United States. I was due to give a lecture on the East Coast about high-conflict family disputes. As I often do before a lecture, I tried to clear my head. Sport helps me. Movement, a little distance, a chance to breathe before spending several hours dealing with the more difficult sides of human relationships.
While doing so, I got talking to a woman. Let us call her Harriet.
At some point, she asked what I was doing there. I told her that I had travelled to give a lecture. It was about family conflict, children, parents, separation and what can happen to relationships when conflicts escalate.
Suddenly, she began to cry.
She told me that she had not seen her children for some time.
It was not a scientific discussion. There was no dispute about terminology. No textbook. There was simply a human being standing in front of me who missed her children.
We stayed in touch.
About five years later, the situation changed. The older child – let us call him David – now wanted to live with his mother. His relationship with his father had meanwhile become strained. According to Harriet, the father had previously influenced the children against their mother. Now the father – and the younger child, whom I shall call Oliver – rejected contact with the older child.
During a later visit this year, I met Harriet and David. Harriet seemed brighter than when I had first met her. But not entirely. She told me she had had no contact with Oliver for many years.
Yet the situation was apparently far from easy for David either. When a child first loses one parent and later perhaps the other as well, there is no winner. Destroying one relationship is not healed by allowing the next one to break down.
A few years ago, I was also contacted by a father in the United States. Let us call him Michael. He, too, told me that he had not seen his child – Rosa – for years. We also remained in contact.
Rosa is now said to be of primary-school age. Michael still does not see her.
And Michael is not doing well.
Alongside the psychological burden – or perhaps connected with it – he is facing a potentially life-threatening illness. The time parents and children lose is not abstract. It cannot simply be handed back later.
Perhaps one day someone will conclude that action should have been taken earlier.
Perhaps by then it will be too late.
I have since had encounters like these in dozens of countries. Different languages, cultures, legal systems and social ideas – yet remarkably similar stories.
Children lose parents. Parents lose children.
Sometimes a child loses, over a period of years, a relationship with someone whom they once loved and by whom they were loved.
Sometimes this happens because of violence or genuine danger. In those cases, distance may be necessary. Protection must always come first.
But sometimes something else happens.
A child becomes drawn into a conflict. One parent is portrayed in increasingly negative terms. Memories are reinterpreted. Loyalty is tested. Closeness to one parent begins to feel like betrayal of the other. Contact becomes more difficult, emotionally burdened or eventually stops altogether.
These processes can be observed.
They can be described.
Their origins can be investigated.
Their consequences can be studied.
And yet there are people, organisations and, at times, professionals who create the impression that even examining such processes is illegitimate.
Then the discussion turns to words.
Does “parent-child alienation” exist? Does this or that “syndrome” exist? Is a particular term scientifically acceptable?
Recently, after a court hearing, I spoke with a colleague. I asked her whether deliberate influence of a child against one parent was recognised in her federal state as a possible form of child endangerment.
Her answer was:
“Parental alienation does not exist.”
I asked her to forget the label for a moment.
Let us consider only the behaviour.
One parent deliberately and persistently influences a child against the other parent. The relationship is damaged. The child becomes caught in loyalty conflicts. The child adopts hostile images, fears or rejection that cannot adequately be explained by their own experiences.
Could that constitute a possible threat to the child’s welfare?
Her answer was unequivocal: yes. It could amount to psychological abuse.
Exactly.
This is where one of our problems lies.
At times, we argue so passionately about terminology that the people behind the terminology disappear.
Of course terminology may be debated. Science depends on it. Hypotheses must be tested, alternative explanations considered and poor concepts discarded.
But reality cannot be abolished merely because we dislike a word.
When a child is being manipulated, the first question should not be which label we attach to it.
The first question is:
What is happening to this child?
And then:
How can we protect them?
Scientific openness does not mean that every claim is equally valuable.
It means that we look.
That we examine.
That we allow doubt.
And that we change our minds when the facts require us to do so.
This is precisely why I consider one development dangerous: when legitimate criticism of particular concepts is transformed into the assertion that certain family processes do not exist at all.
Whether this happens deliberately or arises from ideological narrowing, lack of professional knowledge or group dynamics is initially of secondary importance to the families concerned.
The effect may be the same:
Confusion.
Pain.
A genuine professional question is transformed into a supposed fundamental controversy.
Instead of investigating whether a child has been influenced, we debate whether such influence is even allowed to exist as a possibility.
Instead of examining why a previously stable relationship has suddenly collapsed, the very act of asking the question becomes suspect.
Instead of testing competing hypotheses, one hypothesis is removed from the permissible space of thought.
That is not cognitive openness.
It is its opposite.
And while adults argue over terminology, time passes for children.
One year.
Three years.
Five years.
For a six-year-old child, five years constitute almost an entire consciously experienced lifetime.
Perhaps a relationship can later be rebuilt.
Perhaps it cannot.
That is why, at some point, the answer that “the professional debate simply needs to continue” is no longer sufficient for me.
Of course we must continue debating.
There are books. There are articles. There are empirical studies. There is knowledge from psychology, attachment research, developmental psychology, family law, child and youth welfare and international case law.
They may all be criticised.
Please do.
But do it professionally:
With data.
With methodology.
With competing hypotheses.
With arguments.
What is not enough is the mere repetition of a sentence:
“It does not exist.”
And this brings me increasingly to another question.
What responsibility is borne by people who disseminate questionable, even borderline information capable of influencing decisions concerning children and families?
Anyone who speaks publicly or institutionally with professional authority does not merely influence an academic debate.
Judges read such texts.
Youth welfare authorities read them.
Children’s representatives read them.
Psychologists read them.
Lawyers read them.
Political decision-makers read them.
And eventually a child sits in a room and says that they never want to see one of their parents again.
Someone then has to decide what that “never” means.
Protection?
Fear?
Personal experience?
Loyalty?
Influence?
A temporary conflict?
Or several factors at the same time?
Anyone who has artificially narrowed the professional space for thought beforehand may influence that decision.
That is why I increasingly ask whether grossly irresponsible misinformation in this field should truly remain entirely without consequences.
Not every false statement is a criminal offence.
Not every scientific error creates liability.
And of course science must have the right to be wrong.
Without that right, there can be no science.
But academic freedom cannot mean that facts may be denied at will, opposing positions caricatured and people misled through the use of professional authority without responsibility ever being questioned.
Where are the limits?
In administrative law?
Professional regulation?
Civil liability?
Under exceptional circumstances, perhaps even criminal law?
I deliberately leave these questions open.
Because the same principle applies here:
Investigate first. Judge afterwards.
Yet the opposite assumption – that professional misinformation must remain without consequences regardless of its effects – convinces me no more.
Our society recognises responsibility in almost every sphere of life.
We have traffic rules and sanctions because we know that simply asking people to be considerate is not always enough.
We do not levy taxes on a voluntary basis.
We establish professional duties of care.
We require doctors, expert witnesses, public authorities and courts to comply with standards.
Why, then, should responsibility suddenly become irrelevant precisely where information may determine whether a child continues to have a relationship with a parent?
This is not about punishing people for holding different opinions.
Quite the opposite.
We need disagreement.
We need debate.
We need people who are willing to ask uncomfortable questions.
But we need a debate that remains committed to truth.
Anyone claiming that a particular process does not exist must be prepared to explain the empirical basis for that claim.
Anyone criticising a study must explain why.
Anyone proposing alternative explanations must allow them to be tested.
And anyone speaking publicly with scientific authority must accept that such authority carries responsibility.
Perhaps this is one of the most important forms of human compassion:
To trust another person with the truth.
Even when it is uncomfortable.
Even when it shakes our own convictions.
Even when it shows that our own side was not always right.
Even when a father manipulates.
Even when a mother manipulates.
Even when an institution fails.
Even when an entire discipline has been mistaken.
Even when we ourselves have been wrong.
Truth takes no side.
And neither does the welfare of a child.
We do not owe children comforting narratives.
We do not owe them an ideologically convenient reality.
We owe them a serious attempt to discover what is actually happening to them.
No matter how long the road.
No matter how uncomfortable the findings.
And sometimes, too, no matter how serious the responsibility that follows from them.
Because while we debate, somewhere children are waiting for their parents.
And parents are waiting for their children.
Some still have many years.
Others perhaps do not.
Truth can be borne by humankind.
For children whose time passes irretrievably, perhaps it is something more:
a duty of human compassion.
_____________________________________________
Español
La verdad es un deber de humanidad.
No importa lo largo que sea el camino ni lo incómodas que sean las conclusiones
«La verdad es soportable para el ser humano», nos recordaba Ingeborg Bachmann. Quizá sea algo más. Quizá, precisamente allí donde las personas sufren, la verdad sea un deber de humanidad.
Hace aproximadamente diez años estuve en Estados Unidos. Debía impartir una conferencia en la costa este sobre conflictos familiares de alta intensidad. Como hago a menudo antes de una conferencia, intenté despejarme. El deporte me ayuda. Moverme, tomar algo de distancia, respirar una vez más antes de dedicar varias horas a algunos de los aspectos más difíciles de las relaciones humanas.
Fue entonces cuando entablé conversación con una mujer. La llamaré Harriet.
En algún momento me preguntó qué hacía allí. Le expliqué que había viajado para impartir una conferencia. Hablaría de conflictos familiares, de niños, de padres, de separación y de lo que puede ocurrir con las relaciones cuando los conflictos escalan.
De repente, empezó a llorar. Me contó que llevaba algún tiempo sin ver a sus hijos.
No fue una discusión científica. No hubo controversia sobre conceptos. No hubo libros de texto. Simplemente había una persona delante de mí que echaba de menos a sus hijos.
Seguimos en contacto. Unos cinco años después, la situación cambió. El hijo mayor –lo llamaré David– quería entonces vivir con su madre. Entretanto, la relación con su padre se había deteriorado. Según el relato de Harriet, el padre había influido anteriormente en los niños contra su madre. Ahora, el padre –y también el hijo menor, al que llamaré Oliver– rechazaban el contacto con el mayor. Bueno, y con la madre.
Durante otra visita, este mismo año, me encontré con Harriet y David. Harriet parecía más luminosa que la primera vez que la conocí. Pero no del todo. Me contó que llevaba muchos años sin tener contacto con Oliver.
Pero tampoco para David la situación parecía sencilla. Porque cuando un niño pierde primero a uno de sus padres y después quizá también al otro, no hay ningún ganador. La destrucción de una relación no se cura permitiendo que después se rompa la siguiente.
También desde Estados Unidos me contactó, hace algunos años, un padre. Lo llamaré Michael. Él también me contó que llevaba años sin ver a su hija, a la que llamaré Rosa. También nosotros seguimos en contacto.
Rosa estaría ya en edad escolar. Michael sigue sin verla. Y Michael no está bien. A la carga emocional –o quizá relacionada con ella– se suma ahora la posibilidad de una enfermedad potencialmente mortal.
El tiempo que pierden padres e hijos no es abstracto. No puede simplemente devolverse más tarde. La pérdida es irrevesible.
Tal vez algún día alguien llegue a la conclusión de que habría sido necesario actuar antes. Quizá entonces ya sea demasiado tarde.
Desde entonces he tenido encuentros semejantes en decenas de países. Lenguas diferentes, culturas diferentes, sistemas jurídicos diferentes y distintas concepciones sociales, pero historias sorprendentemente parecidas.
Los niños pierden a sus padres. Los padres pierden a sus hijos. A veces, durante años, un niño pierde la relación con una persona a la que en otro tiempo amó y por la que fue amado.
En ocasiones ocurre debido a la violencia o a una situación real de peligro. Entonces puede ser necesario mantener distancia.
La protección debe estar siempre en primer lugar.
Pero otras veces ocurre algo distinto. Un niño es introducido en el conflicto de los pades. Uno de los progenitores comienza a ser presentado por el otro de forma cada vez más negativa.Los recuerdos son reinterpretados. La lealtad se pone a prueba.
La cercanía a uno de los progenitores empieza a sentirse como traición al otro. Los contactos se dificultan, se cargan emocionalmente o, finalmente, se interrumpen por completo. Estos procesos pueden observarse. Pueden describirse. Puede estudiarse cómo surgen. Pueden estudiarse sus consecuencias.
Y, sin embargo, hay personas, organizaciones e incluso algunos profesionales que transmiten la impresión de que la mera investigación de estos procesos sería ilegítima.
Entonces comienza la discusión sobre las palabras. ¿Existe la «alienación entre padres e hijos»? ¿Existe este o aquel «síndrome»? ¿Es científicamente aceptable un determinado término?
Hace poco, después de una vista judicial, hablé con una colega. Le pregunté si, en su estado federado, la influencia deliberada de un progenitor sobre un niño contra el otro podía considerarse una posible situación de riesgo para el bienestar del menor.
Su respuesta fue: «La alienación parental no existe».
Le respondí:Olvidemos por un momento la etiqueta. Consideremos únicamente la conducta: Un progenitor influye de forma deliberada y persistente en un niño contra el otro. La relación resulta dañada. El niño entra en conflictos de lealtad. Adopta imágenes hostiles, miedos o rechazos que no pueden explicarse suficientemente a partir de sus propias experiencias. ¿Podría eso constituir una posible situación de riesgo para el bienestar del niño?
Su respuesta fue inequívoca: Sí, sin duda. Podría constituir maltrato psicológico.
Exactamente. Ahí reside uno de nuestros problemas.
A veces discutimos con tanta pasión sobre los conceptos que desaparecen las personas que hay detrás de ellos.
Por supuesto que se puede discutir sobre terminología. La ciencia vive de ello. Hay que contrastar hipótesis, considerar explicaciones alternativas y descartar conceptos deficientes.
Pero no podemos abolir la realidad simplemente porque no nos guste una palabra, o un resultado. Cuando un niño está siendo manipulado, la primera pregunta no debería ser qué etiqueta queremos colocar sobre la situación. La primera pregunta debería ser:
¿Qué le está ocurriendo a este niño?
Y después:
¿Cómo podemos protegerlo?
La apertura científica no significa que todas las afirmaciones tengan el mismo valor. Significa que miramos. Que examinamos. Que admitimos la duda. Y que cambiamos de opinión cuando los hechos lo exigen.
Precisamente por eso considero peligrosa una determinada evolución: que a partir de una crítica legítima a ciertos conceptos se construya la afirmación de que determinados procesos familiares no existen en absoluto.
Que esto se haga deliberadamente o sea consecuencia de un estrechamiento ideológico, de desconocimiento profesional o de dinámicas de grupo resulta inicialmente secundario para las familias afectadas. El efecto puede ser el mismo: Confusión. Dolor.
Sin embargo, una pregunta profesional real se transforma en una supuesta controversia fundamental. En lugar de investigar si un niño ha sido influido, discutimos si tal influencia puede siquiera existir.
En lugar de analizar por qué una relación anteriormente estable se ha derrumbado de pronto, la propia pregunta pasa a resultar sospechosa.
En lugar de contrastar hipótesis alternativas, eliminamos una hipótesis del espacio de pensamiento permitido.
Eso no es apertura cognitiva. Es justamente lo contrario.
Y mientras los adultos discuten sobre palabras, para los niños pasa el tiempo. Un año. Tres años. Cinco años. Para un niño de seis años, cinco años equivalen casi a toda su vida vivida conscientemente.
Quizá después pueda reconstruirse una relación. Quizá no.
Por eso llega un momento en el que ya no me basta la respuesta de que «el debate profesional debe continuar». Por supuesto que debemos seguir debatiendo.
Hay libros. Hay artículos. Hay estudios empíricos. Hay conocimientos procedentes de la psicología, la investigación sobre el apego, la psicología del desarrollo, el derecho de familia, la protección de la infancia y la juventud y la jurisprudencia internacional.
Pueden criticarse. Por favor, háganlo. Pero profesionalmente:
Con datos. Con metodología. Con hipótesis alternativas. Con argumentos.
Lo que no basta es repetir una frase: «Eso no existe».
Y ahí comienza, para mí, otra pregunta.
¿Qué responsabilidad tienen las personas que difunden informaciones cuestionables, incluso limítrofes, capaces de influir en decisiones sobre niños y familias?
Quien se presenta pública o institucionalmente con autoridad profesional no influye únicamente en un debate académico. Los jueces leen esos textos. Los servicios de protección de menores los leen. Los representantes de los niños los leen. Los psicólogos los leen. Los abogados los leen. Los responsables políticos los leen.
Y, en algún momento, un niño se encuentra sentado en una habitación y afirma que no quiere volver a ver nunca a uno de sus padres.
Entonces alguien debe decidir qué significa ese «nunca»: ¿Protección? ¿Miedo? ¿Experiencia propia? ¿Lealtad? ¿Influencia? ¿Un conflicto puntual, parental, temporal? ¿O varios factores simultáneamente?
Quien previamente haya reducido artificialmente el espacio profesional de pensamiento puede estar influyendo en esa decisión. Por eso me pregunto cada vez más si una desinformación profesional gravemente irresponsable en este ámbito debería quedar realmente sin consecuencias.
No toda afirmación falsa constituye un delito. No todo error científico genera responsabilidad jurídica. Y, por supuesto, la ciencia debe tener también derecho a equivocarse. Sin ese derecho no existiría ciencia.
Pero la libertad científica no puede significar que los hechos puedan negarse arbitrariamente, las posiciones contrarias caricaturizarse y las personas puedan ser inducidas a error mediante la autoridad profesional sin que nunca se plantee la cuestión de la responsabilidad.
¿Dónde están los límites? ¿En el Derecho administrativo? ¿En las normas profesionales? ¿En la responsabilidad civil? ¿En determinadas circunstancias quizá incluso en el Derecho penal? Planteo estas preguntas deliberadamente de forma abierta.
Porque también aquí debe valer: Primero investigar. Después juzgar.
Pero tampoco me convence la posición contraria: que la desinformación profesional deba carecer necesariamente de consecuencias con independencia de sus efectos.
Nuestra sociedad conoce la responsabilidad en prácticamente todos los ámbitos de la vida. Tenemos normas de tráfico y sanciones porque sabemos que limitarse a pedir consideración a los demás no siempre basta. Los impuestos no se pagan voluntariamente. Establecemos deberes profesionales de diligencia. Exigimos determinadas normas a médicos, peritos, administraciones y tribunales.
¿Por qué precisamente allí donde una información puede decidir si un niño sigue viendo o no a uno de sus padres debería dejar de tener importancia la responsabilidad?
No se trata de castigar a las personas por tener opiniones distintas. Todo lo contrario. Necesitamos discrepancia. Necesitamos debate. Necesitamos personas que planteen preguntas incómodas.
Pero necesitamos un debate que siga comprometido con la verdad. Quien afirma que un determinado proceso no existe debe aceptar que se le pregunte sobre qué base empírica sostiene esa afirmación. Quien critica un estudio debe explicar por qué. Quien propone explicaciones alternativas debe someterlas a contraste.
Y quien habla públicamente con autoridad científica debe aceptar que esa autoridad genera responsabilidad.
Quizá ahí se encuentre una de las formas más importantes de humanidad:
Considerar al otro capaz de soportar la verdad. Incluso cuando resulte incómoda. Incluso cuando sacuda nuestras propias convicciones. Incluso cuando demuestre que nuestro propio lado no siempre tenía razón. Incluso cuando manipula un padre. Incluso cuando manipula una madre. Incluso cuando fracasa una institución. Incluso cuando se ha equivocado una disciplina entera. Incluso cuando nosotros mismos nos hemos equivocado.
La verdad no tiene partido.
Y el bienestar del niño, mucho menos.
No debemos a los niños relatos agradables. No les debemos una realidad adaptada a nuestra ideología.
Les debemos el intento serio de descubrir qué les está ocurriendo realmente.
No importa cuánto dure el camino. No importa cuán incómodos resulten los hallazgos. Y a veces también: no importa cuán grave sea la responsabilidad que se derive de ellos.
Porque mientras nosotros debatimos, en algún lugar hay niños esperando a sus padres. Y padres esperando a sus hijos.
Algunos todavía tienen muchos años por delante. Otros quizá no.
La verdad es soportable para el ser humano.
Para los niños cuyo tiempo transcurre de forma irreversible, quizá sea algo más:
un deber de humanidad, de compasión humana.
_____________________________________________
Français
La vérité est un devoir d’humanité
Peu importe la longueur du chemin et combien les conclusions peuvent être dérangeantes
« La vérité est supportable pour l’être humain », rappelait Ingeborg Bachmann. Peut-être est-elle davantage encore. Peut-être que, précisément là où des êtres humains souffrent, la vérité devient un devoir d’humanité.
Il y a environ dix ans, j’étais aux États-Unis. Je devais donner, sur la côte Est, une conférence consacrée aux conflits familiaux hautement conflictuels. Comme souvent avant une intervention, j’essayais de me vider l’esprit. Le sport m’y aide. Bouger, prendre un peu de distance, respirer encore une fois avant de passer quelques heures à réfléchir aux aspects les plus difficiles des relations humaines.
C’est ainsi que j’ai commencé à discuter avec une femme. Appelons-la Harriet.
À un moment donné, elle m’a demandé ce que je faisais là. Je lui ai expliqué que j’étais venu pour donner une conférence. Il serait question de conflits familiaux, d’enfants, de parents, de séparation et de ce qui peut arriver aux relations lorsque les conflits s’aggravent.
Soudain, elle s’est mise à pleurer.
Elle m’a raconté qu’elle ne voyait plus ses enfants depuis quelque temps.
Ce n’était pas une discussion scientifique.
Il n’était pas question de débattre de concepts.
Il n’y avait aucun manuel.
Il y avait simplement devant moi une personne à qui ses enfants manquaient.
Nous sommes restés en contact.
Environ cinq ans plus tard, la situation a changé. L’aîné – appelons-le David – souhaitait désormais vivre avec sa mère. Sa relation avec son père s’était entre-temps dégradée. Selon le récit de Harriet, celui-ci avait auparavant influencé les enfants contre leur mère. Désormais, le père – ainsi que le plus jeune enfant, que j’appellerai Oliver – refusait le contact avec l’aîné.
Lors d’une nouvelle visite cette année, j’ai rencontré Harriet et David. Harriet semblait plus lumineuse que lors de notre première rencontre. Mais pas complètement. Elle me racontait qu’elle n’avait plus aucun contact avec Oliver depuis de nombreuses années.
Pour David non plus, la situation ne semblait guère simple. Lorsqu’un enfant perd d’abord un parent puis, peut-être, l’autre également, il n’y a pas de gagnant. La destruction d’une relation ne se répare pas en laissant ensuite la suivante se briser.
Il y a quelques années, toujours aux États-Unis, un père m’a également contacté. Appelons-le Michael. Lui aussi m’a expliqué qu’il ne voyait plus son enfant – Rosa – depuis plusieurs années. Nous sommes également restés en contact.
Rosa serait aujourd’hui en âge d’aller à l’école primaire. Michael ne la voit toujours pas.
Et Michael ne va pas bien.
À la souffrance psychologique – ou peut-être en lien avec elle – s’ajoute aujourd’hui la possibilité d’une maladie mettant sa vie en danger.
Le temps que perdent les parents et les enfants n’est pas abstrait.
On ne peut pas simplement le leur rendre plus tard.
Peut-être qu’un jour quelqu’un constatera qu’il aurait fallu agir plus tôt.
Peut-être qu’alors il sera trop tard.
J’ai depuis vécu des rencontres similaires dans des dizaines de pays.
Des langues différentes, des cultures différentes, des systèmes juridiques et des conceptions sociales différentes – mais des histoires étonnamment semblables.
Des enfants perdent leurs parents.
Des parents perdent leurs enfants.
Parfois, pendant des années, un enfant perd la relation avec une personne qu’il a autrefois aimée et dont il a été aimé.
Parfois, cela se produit en raison de violences ou d’un danger réel. Dans ce cas, la distance peut être nécessaire.
La protection doit toujours passer en premier.
Mais parfois, quelque chose d’autre se produit.
Un enfant est entraîné dans un conflit.
L’un des parents est présenté de manière de plus en plus négative.
Les souvenirs sont réinterprétés.
La loyauté est mise à l’épreuve.
Être proche d’un parent commence à ressembler à une trahison de l’autre.
Les contacts deviennent difficiles, émotionnellement chargés ou finissent par disparaître entièrement.
Ces processus peuvent être observés.
Ils peuvent être décrits.
Leur apparition peut être étudiée.
Leurs conséquences peuvent être étudiées.
Et pourtant, certaines personnes, organisations et parfois même certains professionnels donnent l’impression que le simple fait d’étudier de tels processus serait illégitime.
Alors commence la discussion sur les mots.
L’« aliénation parent-enfant » existe-t-elle ?
Tel ou tel « syndrome » existe-t-il ?
Un concept particulier est-il scientifiquement acceptable ?
Récemment, après une audience, j’ai discuté avec une collègue. Je lui ai demandé si, dans son Land, le fait d’influencer délibérément un enfant contre l’un de ses parents pouvait être reconnu comme une possible mise en danger de l’enfant.
Sa réponse fut :
« L’aliénation parent-enfant n’existe pas. »
Je lui ai répondu :
Oublions un instant l’étiquette.
Regardons seulement le comportement.
Un parent influence délibérément et durablement l’enfant contre l’autre parent. La relation est endommagée. L’enfant entre dans des conflits de loyauté. Il adopte des images hostiles, des peurs ou un rejet qui ne s’expliquent pas suffisamment par ses propres expériences.
Cela pourrait-il constituer une mise en danger de l’enfant ?
Sa réponse fut sans ambiguïté :
Oui.
Cela pourrait constituer une forme de maltraitance psychologique.
Voilà.
C’est précisément là que réside l’un de nos problèmes.
Nous discutons parfois avec tant de passion des mots que les êtres humains derrière ces mots disparaissent.
On peut évidemment discuter de terminologie.
La science vit de cela.
Il faut tester les hypothèses, considérer les explications alternatives et abandonner les mauvais concepts.
Mais on ne peut pas abolir la réalité simplement parce qu’un mot nous déplaît.
Lorsqu’un enfant est manipulé, la première question ne devrait pas être celle de l’étiquette que nous allons apposer sur la situation.
La première question devrait être :
Qu’est-il en train d’arriver à cet enfant ?
Et ensuite :
Comment pouvons-nous le protéger ?
L’ouverture scientifique ne signifie pas que toutes les affirmations se valent.
Elle signifie que nous regardons.
Que nous examinons.
Que nous acceptons le doute.
Et que nous changeons d’avis lorsque les faits l’exigent.
C’est précisément pour cette raison que je considère une certaine évolution comme dangereuse : lorsque la critique légitime de certains concepts est transformée en affirmation selon laquelle certains processus familiaux n’existeraient tout simplement pas.
Que cela soit intentionnel ou résulte d’un rétrécissement idéologique, d’une méconnaissance professionnelle ou de dynamiques de groupe importe, dans un premier temps, relativement peu aux familles concernées.
L’effet peut être le même :
Confusion.
Douleur.
Une véritable question professionnelle est transformée en prétendue controverse fondamentale.
Au lieu de rechercher si un enfant a subi une influence, nous discutons de la question de savoir si une telle influence a seulement le droit d’exister en tant qu’hypothèse.
Au lieu d’examiner pourquoi une relation autrefois solide s’est soudainement effondrée, le simple fait de poser la question devient suspect.
Au lieu de confronter différentes hypothèses, l’une d’entre elles est retirée du champ de pensée autorisé.
Ce n’est pas de l’ouverture cognitive.
C’est son contraire.
Et pendant que les adultes discutent de concepts, le temps passe pour les enfants.
Un an.
Trois ans.
Cinq ans.
Pour un enfant de six ans, cinq années représentent presque toute sa vie consciemment vécue.
Peut-être une relation pourra-t-elle ensuite être reconstruite.
Peut-être pas.
C’est pourquoi, à un certain moment, la réponse selon laquelle « le débat professionnel doit simplement continuer » ne me suffit plus.
Bien sûr qu’il faut continuer à débattre.
Il existe des livres.
Des articles.
Des études empiriques.
Des connaissances issues de la psychologie, de la recherche sur l’attachement, de la psychologie du développement, du droit de la famille, de l’aide à l’enfance et à la jeunesse ainsi que de la jurisprudence internationale.
On peut les critiquer.
Il faut même le faire.
Mais professionnellement :
Avec des données.
Avec une méthodologie.
Avec des hypothèses alternatives.
Avec des arguments.
Ce qui ne suffit pas, c’est la répétition d’une phrase :
« Cela n’existe pas. »
Et cela m’amène de plus en plus à une autre question.
Quelle responsabilité portent les personnes qui diffusent des informations contestables, voire limites, susceptibles d’influencer les décisions concernant des enfants et des familles ?
Celui qui intervient publiquement ou institutionnellement avec une autorité professionnelle n’influence pas seulement un débat académique.
Les juges lisent ces textes.
Les services de protection de la jeunesse les lisent.
Les représentants des enfants les lisent.
Les psychologues les lisent.
Les avocats les lisent.
Les responsables politiques les lisent.
Et un jour, un enfant est assis dans une pièce et explique qu’il ne veut plus jamais revoir l’un de ses parents.
Quelqu’un doit alors décider ce que signifie ce « jamais ».
Protection ?
Peur ?
Expérience propre ?
Loyauté ?
Influence ?
Conflit temporaire ?
Ou plusieurs facteurs en même temps ?
Celui qui a auparavant artificiellement réduit le champ de réflexion professionnel influence peut-être cette décision.
C’est pourquoi je me demande de plus en plus si une désinformation professionnellement irresponsable dans ce domaine doit réellement rester sans conséquence.
Toute affirmation fausse n’est pas une infraction pénale.
Toute erreur scientifique n’engage pas une responsabilité juridique.
Et, bien entendu, la science doit également avoir le droit de se tromper.
Sans ce droit, il n’y aurait pas de science.
Mais la liberté scientifique ne peut pas signifier que l’on puisse nier arbitrairement des faits, caricaturer les positions opposées et induire en erreur des personnes en utilisant une autorité professionnelle sans que la question de la responsabilité soit jamais posée.
Où se trouvent les limites ?
En droit administratif ?
Dans les règles déontologiques professionnelles ?
En responsabilité civile ?
Dans certaines circonstances particulières, peut-être même en droit pénal ?
Je pose volontairement ces questions de manière ouverte.
Car ici aussi vaut le principe :
Examiner d’abord.
Juger ensuite.
Mais l’attitude inverse – selon laquelle la désinformation professionnelle devrait nécessairement rester sans conséquence, quelles qu’en soient les répercussions – ne me convainc pas davantage.
Notre société connaît le principe de responsabilité dans presque tous les domaines de la vie.
Nous avons des règles de circulation et des sanctions parce que nous savons que demander simplement aux personnes de faire attention ne suffit pas toujours.
Nous ne levons pas les impôts sur une base volontaire.
Nous définissons des obligations professionnelles de diligence.
Nous exigeons des médecins, des experts, des autorités et des tribunaux qu’ils respectent certaines normes.
Pourquoi la responsabilité devrait-elle soudain perdre toute importance précisément là où des informations peuvent déterminer si un enfant continuera ou non à voir l’un de ses parents ?
Il ne s’agit pas de punir des personnes parce qu’elles ont une opinion différente.
Bien au contraire.
Nous avons besoin de contradiction.
Nous avons besoin de débat.
Nous avons besoin de personnes capables de poser des questions inconfortables.
Mais nous avons besoin d’un débat qui reste lié à la vérité.
Celui qui affirme qu’un processus déterminé n’existe pas doit accepter qu’on lui demande sur quelle base empirique repose cette affirmation.
Celui qui critique une étude doit expliquer pourquoi.
Celui qui propose des explications alternatives doit accepter qu’elles soient soumises à l’examen.
Et celui qui parle publiquement avec une autorité scientifique doit accepter que cette autorité crée également une responsabilité.
Peut-être est-ce là l’une des formes les plus importantes d’humanité :
Oser confronter l’autre à la vérité.
Même lorsqu’elle est inconfortable.
Même lorsqu’elle ébranle nos propres convictions.
Même lorsqu’elle montre que notre propre camp n’avait pas toujours raison.
Même lorsqu’un père manipule.
Même lorsqu’une mère manipule.
Même lorsqu’une institution échoue.
Même lorsqu’une discipline entière s’est trompée.
Même lorsque nous nous sommes nous-mêmes trompés.
La vérité n’a pas de camp.
Et l’intérêt de l’enfant encore moins.
Nous ne devons pas aux enfants des récits agréables.
Nous ne leur devons pas une réalité conforme à nos idéologies.
Nous leur devons la tentative sérieuse de comprendre ce qui leur arrive réellement.
Peu importe combien de temps dure le chemin.
Peu importe combien les conclusions sont dérangeantes.
Et parfois aussi : peu importe l’importance de la responsabilité qui en découle.
Car pendant que nous débattons, quelque part, des enfants attendent leurs parents.
Et des parents attendent leurs enfants.
Certains disposent encore de nombreuses années.
D’autres peut-être pas.
La vérité est supportable pour l’être humain.
Pour les enfants dont le temps passe de manière irréversible, elle est peut-être encore autre chose :
un devoir d’humanité.