Wenn Engagement neue Ungerechtigkeit erzeugt
Ein persönlicher Brief zu Weihnachten
Wenn Engagement neue Ungerechtigkeit erzeugt
–
Ein persönlicher Brief zu Weihnachten
Liebe Sonia Howard, Wolfgang Hammer, Christina Mundlos, Ludwig Salgo, Matthias Meisner, …
ich schreibe diesen Brief nicht an die öffentliche Figur, nicht an die Autorin, den Aktivisten, den Journalisten, den Professoren, nicht an die Stimme in Debatten oder an die Position in einem Diskurs.
Ich schreibe an den Privatmenschen.
An den Menschen, dem als Kind etwas Schreckliches widerfahren ist – oder hätte widerfahren können.
An den Menschen, der häusliche Gewalt erlebt hat, körperliche oder psychische.
An den Menschen, der sexualisierte Gewalt erfahren hat oder mit ihrer Möglichkeit leben musste.
An den Menschen, dessen Lebensweg dadurch geprägt wurde – auch dann, wenn lange niemand darüber gesprochen hat.
Ich schreibe diesen Brief in der Weihnachtszeit, weil sie uns – unabhängig von Glauben oder Weltanschauung – an etwas erinnert, das größer ist als unsere Rollen: an Verletzlichkeit, an Verantwortung, an die Frage, was wir weitergeben.
Ich glaube, dass Ihr Engagement aus einem nachvollziehbaren, zutiefst menschlichen Impuls entstanden ist:
aus dem Wunsch heraus, dass Kindern – und auch Erwachsenen – Leid erspart bleibt.
Dass niemand allein gelassen wird.
Dass Gewalt nicht relativiert, nicht verharmlost, nicht verdeckt wird.
Dieser Impuls verdient Respekt.
Er verbindet mehr Menschen, als es die gegenwärtigen Debatten vermuten lassen.
Gerade deshalb schreibe ich diesen Brief.
Denn es gibt Engagements, die aus Schmerz geboren werden – und dennoch Gefahr laufen, neuen Schmerz zu erzeugen. Nicht aus Bosheit. Nicht aus Zynismus. Sondern aus einer inneren Logik heraus, die sich verselbstständigt, wenn bestimmte rote Linien überschritten werden.
Diese roten Linien wären.
Die erste lautet: Keine Pauschalisierungen.
Weder von Opfern noch von Tätern.
Weder von Müttern noch von Vätern.
Weder von Betroffenen noch von Beschuldigten.
Pauschalisierungen entlasten emotional – aber sie verzerren moralisch.
Sie machen die Welt scheinbar übersichtlicher, während sie in Wahrheit Ungerechtigkeit reproduzieren.
Die zweite lautet: Keine Vereinfachungen.
Nicht, weil wir Komplexität lieben, sondern weil die Wirklichkeit nicht einfacher wird, wenn wir sie reduzieren. Familienkonflikte, Gewaltphänomene, Bindungsabbrüche – all das entfaltet sich immer konkret, immer situativ, immer biografisch.
Und die dritte lautet: Ungerechtigkeiten lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Kein Leid legitimiert neues Leid.
Keine historische oder persönliche Verletzung rechtfertigt die bewusste Blindheit gegenüber anderen Betroffenen.
Wo Ungerechtigkeiten gegeneinander ausgespielt werden, entsteht eine destruktive Dynamik.
Wie jeder Mediator weiß, zerstört sie Beziehungen, Institutionen – und letztlich das Vertrauen in Gerechtigkeit selbst.
Denn Gerechtigkeit lebt nicht von Lautstärke, nicht von moralischer Überlegenheit, sondern von der Bereitschaft zur Wahrheitssuche.
Verliert sie diese Grundlage, verliert sie ihre Legitimität.
In diesem Zusammenhang möchte ich etwas klar benennen, nicht als Vorwurf, sondern als ethische Markierung:
Ein ungerechtfertigtes, absichtliches Abschneiden der elterlichen Bindung – unabhängig davon, von wem es ausgeht – ist eine Form häuslicher Gewalt.
Bindungsintoleranz, Eltern-Kind-Entfremdung, Kindermanipulation, etc. sind keine theoretische Konstrukte, wie jedes Familiengericht bestätigen kann.
Sie ist also gelebte Realität in Familien.
Und ihre Folgen für Kinder sind tiefgreifend.
Das bedeutet nicht, dass Gewalt nicht existiert – eher sind sie eine Bestätigung davon.
Es bedeutet nicht, dass Schutz nicht notwendig ist. Gerade dann, notwendiger als je, denn die Opfer sind unsichtbar geworden.
Es bedeutet nicht, dass Wegschauen eine Option wäre. Oder man müsste rechtfertigen, was unterscheiden die anderen von den anderen Opfer von Gewalt
Es bedeutet aber, dass kein Phänomen – auch nicht häusliche Gewalt – auf der Ebene einer konkreten Familie pauschalisiert werden kann, ohne neue Ungerechtigkeiten zu erzeugen.
Wenn wir es dennoch tun, laufen wir Gefahr,
Ungerechtigkeiten durchgehen zu lassen –
und Gerechtigkeit zu bestrafen.
Der Kreis der Ungerechtigkeit schließt sich dann nicht zufällig, sondern systematisch.
In meiner eigenen Arbeit – auch gemeinsam mit Studierenden – habe ich versucht, diesen Zusammenhang empirisch und theoretisch sichtbar zu machen:
den Zusammenhang zwischen allen, die sich engagieren,
zwischen unterschiedlichen Formen von Gewalt,
zwischen gut gemeintem Schutz und unbeabsichtigter Schädigung.
Was mir dabei immer deutlicher wurde, ist nicht das Trennende – sondern das Gemeinsame.
Was fehlt, ist Dialog.
Nicht der strategische, nicht der mediale, nicht der professionell abgesicherte.
Sondern der persönliche.
Dafür stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Oder ich kann Sie bei ernsthaftem Interesse vermitteln.
Ich weiß, dass dieser Dialog auf professioneller Ebene schwer ist.
Manchmal vielleicht unmöglich erscheint.
Aber auf menschlicher Ebene bleibt er möglich – zumindest als Haltung.
Denn streng genommen lässt die Sache für das Schöne, das Gute und das Gerechte Platz für alle, die sich ehrlich darum bemühen.
Die Alternative – Polarisierung, Ausschluss, moralische Verhärtung – ist in keiner Hinsicht eine Option.
Egal, wie man es betrachtet.
Ich schreibe diesen Brief nicht, um zu überzeugen.
Sondern um zu erinnern.
An das Kind, das Sie einmal waren.
An den Grund, aus dem Sie begonnen haben.
Und an die Verantwortung, die mit jedem Engagement wächst.
Nicht gegen jemanden.
Sondern für alle, die keine großen Namen haben –
deren Leiden aber nicht weniger real ist.
Und deren Kinder es ebenso wenig verdient haben.
Vielleicht ist Weihnachten genau der richtige Moment, um diese Spannung auszuhalten:
zwischen Schmerz und Verantwortung,
zwischen Engagement und Selbstbegrenzung,
zwischen Gerechtigkeit und Demut.
In diesem Sinne schreibe ich –
in der Hoffnung auf Menschlichkeit, nicht auf Zustimmung.
Mit respektvollen Grüßen
Jorge Guerra
ENGLISCH
When Engagement Creates New Injustice – An Open Letter at Christmas
Dear Sonia Howard, Wolfgang Hammer, Christina Mundlos, Ludwig Salgo, Matthias Meisner, …
I am not writing this letter to the public figure, not to the author, the activist, the journalist, the professor, not to a voice in debates or to a position within a discourse.
I am writing to the private individual.
To the person to whom something terrible happened in childhood – or could have happened.
To the person who experienced domestic violence, physical or psychological.
To the person who suffered sexualized violence, or had to live with its constant possibility.
To the person whose life course was shaped by this – even if it remained unspoken for a long time.
I am writing this letter at Christmas because this time of year reminds us – regardless of faith or worldview – of something greater than our roles: vulnerability, responsibility, and the question of what we pass on.
I believe that your engagement emerged from an understandable, deeply human impulse:
from the desire that children – and adults as well – be spared suffering.
That no one be left alone.
That violence not be relativized, trivialized, or concealed.
This impulse deserves respect.
It connects far more people than current debates might suggest.
It is precisely for this reason that I am writing this letter.
Because there are forms of engagement that are born of pain – and yet risk creating new pain. Not out of malice. Not out of cynicism. But because of an internal logic that becomes autonomous once certain red lines are crossed.
These red lines are, in fact, quite simple.
The first is: No generalizations.
Neither of victims nor of perpetrators.
Neither of mothers nor of fathers.
Neither of those affected nor of those accused.
Generalizations may provide emotional relief – but they distort moral judgment.
They make the world appear more manageable, while in reality reproducing injustice.
The second is: No simplifications.
Not because we cherish complexity, but because reality does not become simpler when we reduce it. Family conflicts, forms of violence, ruptures of attachment – all of these unfold concretely, situationally, biographically.
And the third is: Injustices cannot be offset against one another.
No suffering legitimizes new suffering.
No historical or personal injury justifies a deliberate blindness toward other victims.
Where injustices are played off against each other, a destructive dynamic emerges.
As every mediator knows, it destroys relationships, institutions – and ultimately trust in justice itself.
For justice does not live from loudness, nor from moral superiority, but from a willingness to seek truth.
Once it loses this foundation, it loses its legitimacy.
In this context, I would like to name something clearly – not as an accusation, but as an ethical marker:
An unjustified, intentional severing of a child’s bond to a parent – regardless of who initiates it – is a form of domestic violence.
Attachment intolerance, parental alienation, manipulation of children, and similar phenomena are not theoretical constructs, as any family court can confirm.
They are lived realities within families.
And their consequences for children are profound.
This does not mean that violence does not exist – on the contrary, it confirms its existence.
It does not mean that protection is unnecessary. On the contrary: it is more necessary than ever, precisely because some victims have become invisible.
It does not mean that looking away is an option, nor that one form of violence must be justified by distinguishing it from another.
But it does mean that no phenomenon – including domestic violence – can be generalized at the level of a concrete family without producing new injustices.
If we nevertheless do so, we risk
allowing injustices to pass unchecked –
and punishing justice itself.
The circle of injustice then closes not by chance, but systematically.
In my own work – including work carried out together with students – I have attempted to make this connection visible empirically and theoretically:
the connection between all those who are engaged,
between different forms of violence,
between well-intentioned protection and unintended harm.
What has become increasingly clear to me is not what divides us – but what unites us.
What is missing is dialogue.
Not strategic dialogue.
Not media-driven dialogue.
Not professionally safeguarded dialogue.
But personal dialogue.
I am very willing to make myself available for this. If there is genuine interest, I can also facilitate such an exchange.
I know that dialogue on a professional level is difficult.
At times it may even seem impossible.
But on a human level, it remains possible – at least as an attitude.
Strictly speaking, the cause of the beautiful, the good, and the just leaves room for all who honestly strive for it.
The alternative – polarization, exclusion, moral hardening – is not an option in any respect.
No matter how one looks at it.
I am not writing this letter to persuade.
But to remind.
To remind you of the child you once were.
Of the reason you began this engagement.
And of the responsibility that grows with every form of commitment.
Not against anyone.
But for all those who do not have prominent names –
whose suffering is no less real.
And whose children deserve no less.
Perhaps Christmas is precisely the right moment to endure this tension:
between pain and responsibility,
between engagement and self-restraint,
between justice and humility.
In this spirit, I write
in the hope of humanity – not of agreement.
With respectful regards,
Jorge Guerra
Liebe Sonia Howard, Wolfgang Hammer, Christina Mundlos, Ludwig Salgo, Matthias Meisner, …
ich schreibe diesen Brief nicht an die öffentliche Figur, nicht an die Autorin, den Aktivisten, den Journalisten, den Professoren, nicht an die Stimme in Debatten oder an die Position in einem Diskurs.
Ich schreibe an den Privatmenschen.
An den Menschen, dem als Kind etwas Schreckliches widerfahren ist – oder hätte widerfahren können.
An den Menschen, der häusliche Gewalt erlebt hat, körperliche oder psychische.
An den Menschen, der sexualisierte Gewalt erfahren hat oder mit ihrer Möglichkeit leben musste.
An den Menschen, dessen Lebensweg dadurch geprägt wurde – auch dann, wenn lange niemand darüber gesprochen hat.
Ich schreibe diesen Brief in der Weihnachtszeit, weil sie uns – unabhängig von Glauben oder Weltanschauung – an etwas erinnert, das größer ist als unsere Rollen: an Verletzlichkeit, an Verantwortung, an die Frage, was wir weitergeben.
Ich glaube, dass Ihr Engagement aus einem nachvollziehbaren, zutiefst menschlichen Impuls entstanden ist:
aus dem Wunsch heraus, dass Kindern – und auch Erwachsenen – Leid erspart bleibt.
Dass niemand allein gelassen wird.
Dass Gewalt nicht relativiert, nicht verharmlost, nicht verdeckt wird.
Dieser Impuls verdient Respekt.
Er verbindet mehr Menschen, als es die gegenwärtigen Debatten vermuten lassen.
Gerade deshalb schreibe ich diesen Brief.
Denn es gibt Engagements, die aus Schmerz geboren werden – und dennoch Gefahr laufen, neuen Schmerz zu erzeugen. Nicht aus Bosheit. Nicht aus Zynismus. Sondern aus einer inneren Logik heraus, die sich verselbstständigt, wenn bestimmte rote Linien überschritten werden.
Diese roten Linien wären.
Die erste lautet: Keine Pauschalisierungen.
Weder von Opfern noch von Tätern.
Weder von Müttern noch von Vätern.
Weder von Betroffenen noch von Beschuldigten.
Pauschalisierungen entlasten emotional – aber sie verzerren moralisch.
Sie machen die Welt scheinbar übersichtlicher, während sie in Wahrheit Ungerechtigkeit reproduzieren.
Die zweite lautet: Keine Vereinfachungen.
Nicht, weil wir Komplexität lieben, sondern weil die Wirklichkeit nicht einfacher wird, wenn wir sie reduzieren. Familienkonflikte, Gewaltphänomene, Bindungsabbrüche – all das entfaltet sich immer konkret, immer situativ, immer biografisch.
Und die dritte lautet: Ungerechtigkeiten lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Kein Leid legitimiert neues Leid.
Keine historische oder persönliche Verletzung rechtfertigt die bewusste Blindheit gegenüber anderen Betroffenen.
Wo Ungerechtigkeiten gegeneinander ausgespielt werden, entsteht eine destruktive Dynamik.
Wie jeder Mediator weiß, zerstört sie Beziehungen, Institutionen – und letztlich das Vertrauen in Gerechtigkeit selbst.
Denn Gerechtigkeit lebt nicht von Lautstärke, nicht von moralischer Überlegenheit, sondern von der Bereitschaft zur Wahrheitssuche.
Verliert sie diese Grundlage, verliert sie ihre Legitimität.
In diesem Zusammenhang möchte ich etwas klar benennen, nicht als Vorwurf, sondern als ethische Markierung:
Ein ungerechtfertigtes, absichtliches Abschneiden der elterlichen Bindung – unabhängig davon, von wem es ausgeht – ist eine Form häuslicher Gewalt.
Bindungsintoleranz, Eltern-Kind-Entfremdung, Kindermanipulation, etc. sind keine theoretische Konstrukte, wie jedes Familiengericht bestätigen kann.
Sie ist also gelebte Realität in Familien.
Und ihre Folgen für Kinder sind tiefgreifend.
Das bedeutet nicht, dass Gewalt nicht existiert – eher sind sie eine Bestätigung davon.
Es bedeutet nicht, dass Schutz nicht notwendig ist. Gerade dann, notwendiger als je, denn die Opfer sind unsichtbar geworden.
Es bedeutet nicht, dass Wegschauen eine Option wäre. Oder man müsste rechtfertigen, was unterscheiden die anderen von den anderen Opfer von Gewalt
Es bedeutet aber, dass kein Phänomen – auch nicht häusliche Gewalt – auf der Ebene einer konkreten Familie pauschalisiert werden kann, ohne neue Ungerechtigkeiten zu erzeugen.
Wenn wir es dennoch tun, laufen wir Gefahr,
Ungerechtigkeiten durchgehen zu lassen –
und Gerechtigkeit zu bestrafen.
Der Kreis der Ungerechtigkeit schließt sich dann nicht zufällig, sondern systematisch.
In meiner eigenen Arbeit – auch gemeinsam mit Studierenden – habe ich versucht, diesen Zusammenhang empirisch und theoretisch sichtbar zu machen:
den Zusammenhang zwischen allen, die sich engagieren,
zwischen unterschiedlichen Formen von Gewalt,
zwischen gut gemeintem Schutz und unbeabsichtigter Schädigung.
Was mir dabei immer deutlicher wurde, ist nicht das Trennende – sondern das Gemeinsame.
Was fehlt, ist Dialog.
Nicht der strategische, nicht der mediale, nicht der professionell abgesicherte.
Sondern der persönliche.
Dafür stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Oder ich kann Sie bei ernsthaftem Interesse vermitteln.
Ich weiß, dass dieser Dialog auf professioneller Ebene schwer ist.
Manchmal vielleicht unmöglich erscheint.
Aber auf menschlicher Ebene bleibt er möglich – zumindest als Haltung.
Denn streng genommen lässt die Sache für das Schöne, das Gute und das Gerechte Platz für alle, die sich ehrlich darum bemühen.
Die Alternative – Polarisierung, Ausschluss, moralische Verhärtung – ist in keiner Hinsicht eine Option.
Egal, wie man es betrachtet.
Ich schreibe diesen Brief nicht, um zu überzeugen.
Sondern um zu erinnern.
An das Kind, das Sie einmal waren.
An den Grund, aus dem Sie begonnen haben.
Und an die Verantwortung, die mit jedem Engagement wächst.
Nicht gegen jemanden.
Sondern für alle, die keine großen Namen haben –
deren Leiden aber nicht weniger real ist.
Und deren Kinder es ebenso wenig verdient haben.
Vielleicht ist Weihnachten genau der richtige Moment, um diese Spannung auszuhalten:
zwischen Schmerz und Verantwortung,
zwischen Engagement und Selbstbegrenzung,
zwischen Gerechtigkeit und Demut.
In diesem Sinne schreibe ich –
in der Hoffnung auf Menschlichkeit, nicht auf Zustimmung.
Mit respektvollen Grüßen
Jorge Guerra
ENGLISCH
When Engagement Creates New Injustice – An Open Letter at Christmas
Dear Sonia Howard, Wolfgang Hammer, Christina Mundlos, Ludwig Salgo, Matthias Meisner, …
I am not writing this letter to the public figure, not to the author, the activist, the journalist, the professor, not to a voice in debates or to a position within a discourse.
I am writing to the private individual.
To the person to whom something terrible happened in childhood – or could have happened.
To the person who experienced domestic violence, physical or psychological.
To the person who suffered sexualized violence, or had to live with its constant possibility.
To the person whose life course was shaped by this – even if it remained unspoken for a long time.
I am writing this letter at Christmas because this time of year reminds us – regardless of faith or worldview – of something greater than our roles: vulnerability, responsibility, and the question of what we pass on.
I believe that your engagement emerged from an understandable, deeply human impulse:
from the desire that children – and adults as well – be spared suffering.
That no one be left alone.
That violence not be relativized, trivialized, or concealed.
This impulse deserves respect.
It connects far more people than current debates might suggest.
It is precisely for this reason that I am writing this letter.
Because there are forms of engagement that are born of pain – and yet risk creating new pain. Not out of malice. Not out of cynicism. But because of an internal logic that becomes autonomous once certain red lines are crossed.
These red lines are, in fact, quite simple.
The first is: No generalizations.
Neither of victims nor of perpetrators.
Neither of mothers nor of fathers.
Neither of those affected nor of those accused.
Generalizations may provide emotional relief – but they distort moral judgment.
They make the world appear more manageable, while in reality reproducing injustice.
The second is: No simplifications.
Not because we cherish complexity, but because reality does not become simpler when we reduce it. Family conflicts, forms of violence, ruptures of attachment – all of these unfold concretely, situationally, biographically.
And the third is: Injustices cannot be offset against one another.
No suffering legitimizes new suffering.
No historical or personal injury justifies a deliberate blindness toward other victims.
Where injustices are played off against each other, a destructive dynamic emerges.
As every mediator knows, it destroys relationships, institutions – and ultimately trust in justice itself.
For justice does not live from loudness, nor from moral superiority, but from a willingness to seek truth.
Once it loses this foundation, it loses its legitimacy.
In this context, I would like to name something clearly – not as an accusation, but as an ethical marker:
An unjustified, intentional severing of a child’s bond to a parent – regardless of who initiates it – is a form of domestic violence.
Attachment intolerance, parental alienation, manipulation of children, and similar phenomena are not theoretical constructs, as any family court can confirm.
They are lived realities within families.
And their consequences for children are profound.
This does not mean that violence does not exist – on the contrary, it confirms its existence.
It does not mean that protection is unnecessary. On the contrary: it is more necessary than ever, precisely because some victims have become invisible.
It does not mean that looking away is an option, nor that one form of violence must be justified by distinguishing it from another.
But it does mean that no phenomenon – including domestic violence – can be generalized at the level of a concrete family without producing new injustices.
If we nevertheless do so, we risk
allowing injustices to pass unchecked –
and punishing justice itself.
The circle of injustice then closes not by chance, but systematically.
In my own work – including work carried out together with students – I have attempted to make this connection visible empirically and theoretically:
the connection between all those who are engaged,
between different forms of violence,
between well-intentioned protection and unintended harm.
What has become increasingly clear to me is not what divides us – but what unites us.
What is missing is dialogue.
Not strategic dialogue.
Not media-driven dialogue.
Not professionally safeguarded dialogue.
But personal dialogue.
I am very willing to make myself available for this. If there is genuine interest, I can also facilitate such an exchange.
I know that dialogue on a professional level is difficult.
At times it may even seem impossible.
But on a human level, it remains possible – at least as an attitude.
Strictly speaking, the cause of the beautiful, the good, and the just leaves room for all who honestly strive for it.
The alternative – polarization, exclusion, moral hardening – is not an option in any respect.
No matter how one looks at it.
I am not writing this letter to persuade.
But to remind.
To remind you of the child you once were.
Of the reason you began this engagement.
And of the responsibility that grows with every form of commitment.
Not against anyone.
But for all those who do not have prominent names –
whose suffering is no less real.
And whose children deserve no less.
Perhaps Christmas is precisely the right moment to endure this tension:
between pain and responsibility,
between engagement and self-restraint,
between justice and humility.
In this spirit, I write
in the hope of humanity – not of agreement.
With respectful regards,
Jorge Guerra